Einfluss von aktuellem Kurs auf die Bewertung

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  • Einfluss von aktuellem Kurs auf die Bewertung

    Hallo,

    mich hat interessiert, welchen Einfluss Schwankungen des Kurses auf die Hamsterrad-Bewertung haben. Ich habe daher mal für alle Aktien berechnet, bei welchem Kurs sie die jeweilige Stufengrenze (120,150,180,210) treffen würden. Die Werte sind anbei: 2016-05-05 PreisBeiStufe.xlsx.



    Ich bin mir selbst nicht so sicher, welche Erkenntnisse man jetzt wirklich aus den Tabellen ableiten kann.

    Die Kurse bei 180 oder 210 könnte man vielleicht als "faire" Einstiegskurse nach dem Hamsterrad-System betrachten, ggf. auch als Verkaufskurse.

    Man sieht auch, dass manche Aktien unabhängig vom Kurs bestimmte Stufen nicht erreichen
    können; also Cisco kann z.B. nicht bis 120 fallen; Vodafone kann unabhängig vom Preis
    die 120 nicht erreichen.

    Für ein paar Aktien habe ich auch die Bewertung je nach Preis ausgerechnet. Man sieht bei SAP z.B., dass zwischen
    60€ und 100€ der Kurs einen merklichen Einfluss auf die Bewertung hat, außerhalb dieser Grenzen jedoch
    andere Parameter eine größere Gewichtung besitzen.




    Gruß,
    Peter
  • Eine solche Untersuchung habe ich auch schon mal gemacht.

    Mich interessierte dabei, welche Aktien nicht mal für "geschenkt" in die Nähe von 200 Hamsterrad-Punkten kommen können, denn bei denen scheint ja irgendwas am Geschäftsmodell grundsätzlich nicht in Ordnung zu sein (wenn wir dem Bewertungsverfahren vertrauen wollen).

    Insbesondere dürften solche Aktien nie auch nur in die Nähe eines Kaufkandidaten gelangen können (die meisten Hamsterrad-Käufe lagen in der Nähe von 190-200 Punkten, einzelne Ausreißer zu besonders ungünstigen Zeitpunkten gingen in Bereiche bis 170 Punkte hinunter) - und dann sollte man sich fragen, welchen Sinn sie innerhalb der Watchlist haben.

    Peter888 schrieb:

    Für ein paar Aktien habe ich auch die Bewertung je nach Preis ausgerechnet. Man sieht bei SAP z.B., dass zwischen 60€ und 100€ der Kurs einen merklichen Einfluss auf die Bewertung hat, außerhalb dieser Grenzen jedoch andere Parameter eine größere Gewichtung besitzen.
    Auf dem Blatt "Stammdaten" des Hamsterrad-Sheets gibt es eine Tabelle "KGV Abweichung", die festlegt, wie viele Punkte eine Aktie für eine bestimmte Abweichung von ihrem durchschnittlichen KGV (in welches der aktuelle Kurs direkt einfließt) erhält.
    In dieser Tabelle werden zwei Aspekte eingestellt:
    1. Wie wichtig ist die aktuelle Bewertung der Aktie für die Gesamtpunktzahl? (Durch die hier vergebenen Punkte in der linken Spalte in Relation zur maximal möglichen Punktzahl.)
    2. Welche Abweichungen werden als relevant angesehen? (Durch den minimalen bzw. maximalen Prozentwert in der rechten Spalte - Abweichungen außerhalb dieses Intervalls werden auf den jeweiligen Randwert abgebildet.)
    Die eingestellten Werte für die Prozentzahlen beschreiben ein relativ kleines Intervall: Abweichungen oberhalb von +25% führen nicht mehr zu weiteren Punktabzügen, Abweichungen unterhalb von -15% führen nicht mehr zu Punktgewinnen. Dies unterstellt, dass die zu bewertenden Aktien sich in einem Intervall zwischen 85% und 125% ihrer normalen Bewertung bewegen, was für "defensive" (und damit hoffentlich schwankungsarme) Investments grundsätzlich kein völlig unsinniger Ansatz ist.
    Angesichts des aktuellen Anlagenotstandes trifft dies jedoch derzeit gerade für viele "defensive" Geschäftsmodelle (Nahrungs- und Genussmittel, kurzlebige Haushaltsgüter etc.) nicht zu - insbesondere die besonders stark überteuerten Aktien, deren KGV-Quote zum Teil deutlich über 125% liegt, kommen derzeit also zu gut weg.

    In meiner Kopie des Hamsterrad-Sheets habe ich an den Stammdaten-Tabellen einige Änderungen vorgenommen. Insbesondere habe ich in der Tabelle "KGV Abweichung" alle Prozentwerte auf der rechten Seite verdoppelt, die Tabelle also auf ein Intervall [-30%, +50%] aufgespreizt, um extrem "teure" Aktien stärker abzuwerten und extrem "billige" Aktien stärker aufzuwerten.

    Eine solche Änderung kann bewirken, dass die Timing-Komponente relativ zum langfristigen Investment-Aspekt stärker in die Gesamtpunktzahl einfließt als ohne diese Änderung (weil eine kurzfristig günstige Kaufgelegenheit nun stärker belohnt wird) - für reine Buy&Hold-Anleger ist sie dann nicht zwingend eine Verbesserung.
    Sie kann aber auch bewirken, dass die Timing-Komponente sogar schwächer gewichtet wird (weil die Punktedifferenz pro Prozent KGV-Abweichung sich ja halbiert hat).
    Deshalb habe ich in meiner Kopie des Hamsterrad-Sheets auch die Punktzahl dieser Tabelle erhöht (und dafür Punkte in anderen Tabellen reduziert, um nach wie vor maximal 300 Punkte zu vergeben).

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  • Peter888 schrieb:

    Vielleicht kannst du dein Sheet "Bewertung_Stammdaten" ja mal hier hochladen?
    So einfach funktioniert das nicht.

    Mein "Hamster-Klon" ist eine Kopie einer ziemlich alten Version des Original-Sheets, u. a. lange vor der Einführung der Buchwert-Bewertungs-Option.
    Das "Stammdaten"-Blatt hatte damals noch ein anderes Layout (aber dieselbe Semantik wie heute).

    Ich habe am Spreadsheet insgesamt einiges umgeschrieben (und kann deshalb keine Updates des aktuellen Spreadsheets mehr verwenden). Konkret für das Stammdatenblatt bedeutet dies, dass ich nicht mehr einen Block aus diesen 20 Punktetabellen habe, sondern drei Stück davon:
    1. Die 20 Original-Tabellen,
    2. meine 20 überwiegend modifizierten Tabellen und
    3. eine Tabelle (an der Position des Originals), in der jede einzelne Zelle auf einen der beiden anderen Tabellenblocks verweist, in Abhängigkeit einer einzigen "Schalter"-Zelle.
    Ich kann also durch "Umkippen" des "Schalters" zwischen den "kompatiblen" Original-Punktwerten und meiner eigenen Punktwertung hin- und her schalten, aber eine gemeinsame Datenerfassung verwenden.

    Die Zelle mit dem Schalter befindet sich auf dem "Bewertung"-Blatt, sodass ich direkt sehe, was das Umschalten für die Reihenfolge aller bewerteten Aktien bewirkt.

    Die konkrete Änderung der ersten dieser 20 Tabellen kannst Du (in einer Kopie des Spreadsheets) mal ausprobieren, wenn Du eine höhere Sensibilität des Spreadsheets bezüglich aktueller Kurse erreichen willst. Das sollte zu einer Verschlechterung von sehr stark überteuerten Aktien führen.
    Meine Änderungen in diesen Stammdaten-Tabellen gehen insgesamt aber weit darüber hinaus (weil ich bestimmte Aspekte des Bewertungsverfahrens grundsätzlich anders sehe).
  • Ok, klingt abgefahren.

    Ich habe mal wie du vorgeschlagen hast die KGV Grenzen und jeweiligen Punkte verdoppelt (weil es mir zu umständlich war, habe ich zunächst mal davon abgesehen, die anderen Punkte zu reduzieren. Die Skala hate daher temporär 380 Punkte). Ich finde auf den ersten 10 Plätzen keine großen Unterschiede, Novo-Nordisk fällt vier Plätze zurück, aber sonst bleibt die Reihfolge erhalten.

    Ich finde das anpassen der Skalen umständlich. Ich frage micht, ob es nicht auch gut wäre alle Punkte in den jeweiligen Skalen von 0-100 zu vergeben, und die Gewichtung der Skalen unabhängig davon an gesonderter Stelle vorzunehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass dann sowohl die Ergebnisse jeder Kategorie leichter zu lesen wären, als auch das Anpassen der Skalen einfacher wäre.


    Welche Aspekte waren dir besonders wichtig anders als Hamsterrad zu berechnen?
  • Ich "berechne" nichts anders. (Zumindest nichts, was mit den Stammdaten zu tun hat...)

    Aber ich halte einige der Belohnungen bzw. Bestrafungen, die das Sheet vergibt, für unangemessen, weil sie entweder ein Verhalten des Unternehmens belohnen, das ich für irrelevant halte, oder ein Verhalten bestrafen, das ich zum Teil sogar für wünschenswert halte.
    (Was genau, das möchte ich nicht diskutieren, solange Hamsterrad mangels Zeit nicht die Möglichkeit hat, auf seine Sichtweise einzugehen.)

    Um zumindest einen Eindruck zu vermitteln:
    • Ich habe von den 20 Punktetabellen 6 Stück komplett auf Null gesetzt und die dadurch frei gewordenen Punkte auf 10 der 14 anderen Tabellen verteilt (um die Punktesumme bei 300 zu belassen) und dadurch die Bewertung einiger dieser Aspekte in ihrem Gewicht verstärkt.
    • Lediglich 4 der 20 Punktetabellen verwende ich in ihrem Originalzustand.
    • Die stärkere Aufspreizung der Wertemenge (wie oben für die KGV-Abweichung beschrieben) habe ich bei 4 Tabellen vorgenommen (und diese 4 Tabellen haben auch jeweils höhere Punktzahlen, weil die Spreizung ihr Gewicht ansonsten reduzieren würde, siehe oben), der Rest hat die "Grenze"-Werte aus dem Original.
    • Dadurch, dass ich nur noch 14 Bewertungsaspekte verwende, wird es für sehr gute Aktien etwas einfacher, sehr hohe Punktzahlen zu erreichen (weil manche der bewerteten Aspekte einander widersprechen - umfangreiche Aktienrückkäufe gehen beispielsweise zu Lasten eines schnell steigenden Buchwertes und umgekehrt). 200 Punkte mit meinen Tabellen sind etwas weniger wert als 200 Punkte mit den Original-Tabellen; die durchschnittliche Punktzahl für 189 erfasste Aktien ändert sich jedoch nur um 1,5 Punkte.
  • Überlege Dir, ob Du mit der relativen Gewichtung der 20 Aspekte für Deinen Anlagestil übereinstimmst oder nicht. Das ist das Wichtigste.

    Je länger Du beispielsweise eine Aktie halten willst, desto wichtiger sind ihre langfristigen fundamentalen Aspekte gegenüber der kurzfristigen Bewertung.
    Hamsterrad hat seine Tabellen für ein "Ewigkeitsdepot" definiert; wenn Du bereit bist, auch Gewinnmitnahmen zu tätigen, dann wird die relative Bewertung bei Dir einen höheren Stellenwert haben als bei ihm.

    Hamsterrad plant, mit seinem Depot stetige Dividendenerträge zu erwirtschaften, um auftragsfreie Zeiten überbrücken zu können. Deshalb bewertet er rückschlagsfreie Ausschüttungs-Historien positiv.
    Wenn Du "auf Sicht" mehr am langfristigen Aufbau eines Vermögens als an einem sofortigen stetigen "passiven Einkommen" interessiert bist, dann wirst Du diesen Aspekt mit einem geringeren Gewicht bewerten.

    Meine Einstellungen sind kein "one size fits all", sondern auf meine Ziele optimiert.
    Ich habe für mich beispielsweise eine Differenz von ca. 60 Hamsterrad-Punkten als "Trigger" für den Austausch zwischen zwei Aktien im Depot festgelegt - das ist genug für signifikante Gewinnmitnahmen, ohne in den Transaktionsgebühren zu ertrinken.

    Die Spreizung der Intervalle ist von untergeordneter Bedeutung, wie Peter888 gerade ausprobiert hat.

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  • Einen Aspekt möchte ich hervorheben, weil ich ihn für besonders wichtig halte:

    Grundsätzlich suchen wir Unternehmen mit "funktionierenden Geschäftsmodellen" für eine langfristige Investition. (Zum "Traden" ist das Hamsterrad-Sheet kein geeignetes Instrument.)
    Ein Geschäftsmodell "funktioniert" dann, wenn das Unternehmen mit dem Geld, dass es erwirtschaftet, etwas Sinnvolles anfangen kann. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:
    • Erhöhung der eigenen Produktionskapazität (wenn man in einem wachsenden Markt operiert)
    • Übernahme anderer Unternehmen (wenn man von deren Ideen profitieren oder sein eigenes Geschäftsmodell besser diversifizieren kann)
    • Rückkauf eigener Aktien (wenn diese niedrig bewertet sind, zur Steigerung des EPS)
    • Tilgung von Schulden (um das unternehmerische Risiko zu reduzieren, bessere Konditionen für das verbleibende Fremdkapital zu erhalten und damit den Anteil der Zinsbelastung zu senken, den diese vom operativen Gewinn wegfrisst).
    Wenn ich einer Unternehmensleitung mein Geld anvertraue, indem ich Aktien des Unternehmens halte, dann erwarte ich von ihm, dass es diese Palette von Möglichkeiten (und ggf. weitere) situationsbezogen optimal einsetzt ("financial engineering").
    Wenn ich ihr dies nicht zutraue, dann sollte ich die Aktie einfach meiden, statt über die Geschäftsleitung zu schimpfen. Aktionäre haben jederzeit das Recht, "mit den Füßen abzustimmen".

    Die Ausschüttung einer Dividende ist in meinen Augen nur das letzte Mittel, weil sie die einzige Verwendung der Gewinne darstellt, die nicht zu einer Wertsteigerung der Aktie beitragen kann. Und dabei geht es mir nicht darum, ob die Dividende aus den laufenden Mitteln bezahlt werden kann oder aus der Substanz kommt, sondern ums Prinzip.
    Ich betrachte eine signifikante Steigerung der Dividendenausschüttung als das Hissen der weißen Fahne: "Liebe Aktionäre, wir haben keine Ideen mehr, was wir mit Eurem Geld Sinnvolles anfangen könnten, deshalb müssen wir es ausschütten."

    In der Vergangenheit konnten wir zahlreiche Beispiele von Unternehmen beobachten, die in ihrer Wachstumsphase gar keine Dividenden ausgeschüttet haben (z. B. Microsoft oder heute Alphabet).
    Erst als das Geschäftsmodell keine sinnvolle Verwendung mehr für die Investition von Kapital erlaubte (Markt gesättigt, signifikante Übernahmen kartellrechtlich nicht mehr möglich, Schulden nicht übertrieben hoch, Bewertung der eigenen Aktie aufgrund des eigenen rückläufigen Gewinnwachstums zu teuer), begannen diese Unternehmen damit, eine Dividende auszuschütten (was in dieser Situation richtig war, um eine übertriebene Eigenkapitalallokation und dadurch einen zu geringen Fremdkapitalhebel zu vermeiden).
    Bei solchen Unternehmen ist eine starke Steigerung der Dividendenrendite zu erkennen - insbesondere steigt die Dividendenhöhe erheblich schneller als die erwirtschafteten Gewinne (d. h. die Ausschüttungsquote steigt). Anheuser-Busch hat seine Ausschüttungsquote seit 2008 von 14% auf 85% gesteigert; gleichzeitig wird der Gewinn pro Aktie 2016 niedriger ausfallen als 2012. Ich bezeichne solche Aktien als "Rosstäuscher", weil Anleger, die nur auf steigende Dividenden achten, genau auf solche Aktien hereinfallen. Spätestens beim Erreichen einer Ausschüttungsquote von 100% ist jedoch Schluss mit der Erhöhung - und das vorherige überproportionale Dividendenwachstum ist anschließend selbst bei steigenden Gewinnen nicht wiederholbar.

    Wird nun das Wachstum der absoluten Dividendenhöhe von einem Bewertungssystem nach derselben Logik bewertet wie das Wachstum des Gewinns pro Aktie, dann erscheint die Aktie im Moment dieser Dividendensteigerung attraktiver als zuvor.
    Tatsächlich ist sie aber weniger attraktiv geworden, weil ihr Gewinnwachstum abflacht. Die Bewertung müsste also sinken, statt zu steigen, denn eine Aktie mit geringerem Gewinnwachstum verdient ein niedrigeres KGV als eine Aktie mit hohem Gewinnwachstum (bei ansonsten gleichen Eigenschaften), weil das hohe KGV Gewinne aus der Zukunft vorwegnimmt.
    Der Markt wird eine Aktie mit abflachendem Gewinnwachstum also niedriger bewerten als früher - die Aktie muss nach KGV im historischen Vergleich "billiger" werden, ohne deswegen "preiswerter" zu sein (weil "preiswert" das Verhältnis zwischen Preis und Wert bezeichnet, der Wert aber gesunken ist).
    Diese "KGV-Komprimierung" aufgrund schrumpfenden Gewinnwachstums hat im Fall von Microsoft dazu geführt, dass der Kurs der Aktie von 2000 bis 2013 (mit Schwankungen) seitwärts verlief, obwohl sich der Gewinn pro Aktie in diesem Zeitraum fast vervierfachte - das KGV schrumpfte gleichzeitig von 53 auf 13, weil der Markt das vorherige Gewinnwachstum "ausgepreist" hat. Und dies zu Recht, denn der Gewinn pro Aktie wird bei Microsoft in 2017 nicht höher sein als in 2011. Das EPS-Wachstum (in US-Dollar) ist auf Null gesunken.
    Das Hamsterrad-Sheet belohnt Microsoft jedoch dafür, dass die Dividende sich seit 2006 vervierfacht hat, ohne die Ursache dafür zu erkennen.

    Die Summe dieser "Fehlbewertungen" durch die Hamsterrad-Logik sorgt dafür, dass das Verfahren insgesamt anfällig ist für "value traps" (aktuellstes Beispiel: Wal-Mart, das bei rückläufigen Gewinnen zeitweise über 200 Hamsterrad-Punkte erhielt - wobei hier noch ein weiterer Aspekt des Bewertungssystems eine Rolle spielt), weil der Vergleich des aktuellen KGV mit der KGV-Historie unterstellt, dass sich am Funktionieren des Geschäftsmodells nichts geändert hat.
    Genau dies könnte man überprüfen, indem man beispielsweise das aktuelle Gewinnwachstum (2011-2018e) mit dem langfristigen Gewinnwachstum (2005-2018e) vergleicht - das Hamsterrad-Sheet tut dies nicht, sondern belohnt Microsoft dafür, dass das aktuelle EPS höher liegt als der Durchschnittswert seit 2005, also für das Wachstum vor der Finanzkrise.

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  • Ok, ich hab mal für Microsoft die historischen Hamsterrad-Bewertungen der letzten 14 Jahre bewertet. Unternehmensdaten habe ich auf ariva ab 1999 gefunden. Deine EPS Schätzungen habe ich übernommen. Bewertungen vor 2010 basieren jeweils auf Datenreihen die kürzer als 10 Jahre sind; also die Bewertungen in der ersten Jahreshälfte 2002 beispielsweise auf nur 4 vorigen Geschäftsjahren. Die schlechte Bewertung kommt allerdings vor allem dadurch zustande, dass Microsoft erst ab 2003 Dividenden gezahlt hat.
    Die Aussagekraft wird weiter dadurch eingeschränkt, dass wir historische Analystenschätzungen erst ab letztem Jahr regemäßig im Hamsterrad-Sheet haben. Ich habe daher die Reihe nur mit den aktuellsten Daten gerechnet, ohne historische Schätzungen einzubeziehen. Sinnvoll ist Darstellung trotzdem, und zwar für Vergleiche zwischen Bewertungssystemen.


    Ich fände es spannend, diese Hamsterrad-Bewertungsreihe mit einer Reihe deiner Bewertung, Bereinigung, zu vergleichen.
    Wenn ich dich richtig verstehe, sollte für deine Anlagestrategie ein Bewertungssystem nicht den kontinuierlichen Anstieg von 140 auf 240 Punkten im Zeitraum 2003-2013 zeigen. Leider steige ich durch die ganze Hamsterrad-Berechnung noch nicht tief genug durch, um deine Ideen tatsächlich in meine Skalen zu übernehmen - obwohl ich deinen Beitrag jetzt dreimal gelesen habe.

    Langfristiges Gewinnwachstum (GW) wird ja, sofern ich das richtig verstehe, indirekt in der Spalte "Ergebnis-Abweichung" bewertet. Kurzfristiges mit langfristgem GW zu vergleichen ist gar nicht vorgesehen. Dazu müsste man eine neue Kategorie einführen, also z.B. kurzfristiges durch langfristiges GW teilen, eine neue Skala einführen und so weiter, oder?
  • Peter888 schrieb:

    Leider steige ich durch die ganze Hamsterrad-Berechnung noch nicht tief genug durch, um deine Ideen tatsächlich in meine Skalen zu übernehmen - obwohl ich deinen Beitrag jetzt dreimal gelesen habe.
    Langfristiges Gewinnwachstum (GW) wird ja, sofern ich das richtig verstehe, indirekt in der Spalte "Ergebnis-Abweichung" bewertet. Kurzfristiges mit langfristgem GW zu vergleichen ist gar nicht vorgesehen. Dazu müsste man eine neue Kategorie einführen, also z.B. kurzfristiges durch langfristiges GW teilen, eine neue Skala einführen und so weiter, oder?
    Es ist auch nicht so einfach.

    Das liegt daran, dass das Hamsterrad zwar grundsätzlich versucht, diejenigen Eigenschaften zu belohnen, die auch ich belohnen möchte, dies jedoch auf eine mathematische Weise tut, die eben bestimmte Schwächen aufweist.

    Ich glaube auch nicht, dass das Hamsterrad-Verfahren das Verhältnis zwischen kurzfristigen und langfristigem Gewinnwachstum mit Punkten bewerten sollte. Denn dann müsste man eine Schwäche an dieser Stelle gegen Stärken in anderen Bereichen aufrechnen.

    Es sollte vielmehr Aktien, die an dieser Stelle ein bestimmtes Verhältnis (oder auch einen bestimmten absoluten Wert des Gewinnwachstums! Die Aktie kann ja "schon immer" schlecht gewesen sein) unterschreiten, komplett aussortieren, weil für diese Aktien die Grundvoraussetzungen der Anwendung des Bewertungsverfahrens nicht mehr erfüllt sind.
    Dafür würde es genügen, dieses Verhältnis auf dem EPS-Blatt als zusätzliche Spalte zu berechnen und die Punktzahl einer Aktie, die diesen Test nicht besteht, mit äußerster Vorsicht zu behandeln.

    Eine andere Frage ist, welche KGVs man bei der Durchschnittsbildung verwendet.
    Im Fall von Microsoft mit sich komprimierendem KGV wird der Durchschnitt über den größten Teil Deines betrachteten Zeitraums viel zu hoch sein, weil immer auch Jahre aus der Phase mit höherem Wachstum noch in den Mittelwert einfließen.
    Es gibt Mittel und Wege, dies tendenziell zu verhindern, aber dafür müsste ich erheblich weiter ausholen...

    Ein Problem, das durch eine "bessere" Bewertungsmethode nicht gelöst würde ist, dass bestimmte Aktien des 65er-Universums nie eine attraktive Punktzahl erhalten werden. Und das ist auch korrekt so, denn das Verfahren soll ja zwischen guten und schlechten Aktien trennen können.
    In der aktuellen Hamsterrad-Liste liegt IBM auf Position 16 von 65 Aktien, also im oberen Viertel; in meiner Liste von 189 Aktien gehört sie nicht mal zu den besten 65 Aktien. Wenn man diesen Tellerrand überwindet und die zu bewertenden Aktien so auswählt, dass sie vom Bewertungsverfahren hohe Punktzahlen erhalten können, dann ist das ein viel bedeutsamerer Schritt nach vorne als eine kleine "Verbesserung" der Berechnungsmethodik.

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  • Hallo,

    ich lese hier immer interessiert mit, und setze viele Ideen für meine eigenen Auswertungen um. Da stimme ich Bereinigung zu, daß jeder seine eigene Anpassungen machen sollte, weil jeder seinen eigenen Anlagestil und eigene Anlageziele hat. Auch ich habe bezogen auf die original-Hamsterrad-Formel einige Anpassungen gemacht, die meine eigene Anlagestrategie mehr treffen.
    Dazu möchte ich hier eine Anregung in den Raum werfen, wie ich das Thema für mich gelöst habe, daß der Kurs (oder auch andere Kriterien) nur einen eingeschränkten Einfluss auf die Punktzahl haben kann. Allerdings entfernt man sich damit schon recht stark vom Hamsterrad-System.

    Meine Grundidee ist, daß ich statt einer Addition der Kriterien auf eine Multiplikation gewechselt bin. Dazu habe ich die Punktzahlen der einzelnen Kriterien so verändert, daß sie immer zwischen 0 und 1 sind und die guten Werte mindestens 0,9 sind.

    Kleines abgespecktes Beispiel für Walt Disney mit 3 Kriterien:
    KGV: 0,92
    Performance: 0,94
    Robustheit: 0,95

    Dann wäre die Punktzahl 0,92*0,94*0,95=0,82

    Ergebnis davon ist, daß jedes einzelne Kriterium die Gesamtpunktzahl nach unten ziehen kann, wenn es schlecht ist. Nur Unternehmen, die in allen Kriterien gut sind bekommen viele Punkte.

    Für die Einzelpunkte nutze ich (logistische Funktion) benutzt, um die Werte zwischen 0 und 1 zu bekommen. Natürlich kann aber auch beliebige andere Mittel einsetzen, um dies zu erreichen. Die logistische Funktion eignet sich für mich dazu weil sie nur Werte zwischen 0 und 1 erzeugen kann, die Form einer Sättigungskurve hat und sich schön durch zwei Parameter anpassen lässt.

    Ein Beispiel ist hier diese Funktion, die ich für KGV/Langfrist-KGV einsetze. Bei Werten um den Durchschnitts-KGV gibt es immer noch 0,9 aus. Die genauen Form lässt sich natürlich noch den Wünschen anpassen.


  • Ich habe in meinem Hamsterrad-Sheet die Bewertungen "Dividendenrendite", "Aktienrückkäufe" und "Ausschüttungsquote" aus der Bewertungs-Formel entfernt.
    Eine komplette Ausklammerung der Dividende aus der Bewertung möchte ich nicht, deshalb habe ich die Bewertung "Dividende" behalten, da ein Rückgang der Dividende auf finanzielle Probleme schließen lässt und ich dies in die Bewertung einfließen lassen möchte.

    Des weiteren addiere ich zur Bewertungs-Formel einfach noch die Zahl 43 (weggefallene Bewertungs-Punkte/2), weil ich mich an die alte Punktezahlhöhe gewöhnt habe und somit ähnliche Punktezahlen (um die 200 bei sehr guten Aktien) bekomme.
  • finisher schrieb:

    Des weiteren addiere ich zur Bewertungs-Formel einfach noch die Zahl 43 (weggefallene Bewertungs-Punkte/2), weil ich mich an die alte Punktezahlhöhe gewöhnt habe und somit ähnliche Punktezahlen (um die 200 bei sehr guten Aktien) bekomme.
    Wenn Du weniger Punkte vergibst und 43 Punkte addierst, dann reduzierst Du die Streuung der Gesamtpunktzahlen, weil Du allen Aktien für die fehlenden Kategorien einen Durchschnittswert gutschreibst.

    Stattdessen könntest Du die Gesamtpunktzahlen auf 300 linear hochskalieren (also mit 300 / (300 - (2 * 43)) multiplizieren), dann bliebe auch die Differenz zwischen hohen und niedrigen Punktzahlen (als Austausch-Indikator?) näherungsweise erhalten.
  • Bereinigung, ich finde deine Anmerkungen zum Gewinnwachstum sehr spannend, und ich habe eine entsprechende Rechnung bei mir eingebaut. Ich habe dafür zwei neue Skalen erzeugt ("Gewinnwachstum" und "Änderung Gewinnwachstum"; vgl. angehängte Excel-Datei). Wenn die Schwellwerte nicht erreicht werden, multiplizieren die Skalen mit -1, wenn der Wert nicht schon negativ war. So landen die aussortieren Aktien ganz am Ende der Liste, in umgekehrter Reihenfolge. Man kann auch direkt sehen, was der originale Hamsterrad-Wert war.

    Was für Schwellwerte verwendest du? Ich hab eigentlich keine Ahnung, und hab die Schwellwerte willkürlich auf mindestens 3% absolutes Gewinnwachstum und max -40% Einbruch lang-/kurzfristiges Gewinnwachstum festgelegt. Damit würden bei mir aus dem 64-Aktien-Universum 23 Stück herausfallen, also mehr als ein Drittel. Prominentestes Beispiel ist Sanofi; aber auch IBM und Wal-Mark sind dabei...

    Dateien
    • Scale.xlsx

      (15,63 kB, 249 mal heruntergeladen, zuletzt: )
  • Ich finde "Gewinnwachstum" nicht zuletzt wegen seines Zusammenhangs mit dem KGV relevant. Dennoch habe ich ein bisschen gekämpft, um das Konzept zu verstehen. Man betrachtet ja nur die Start- und Endpunkte, und läßt die Enwicklung zwischendurch außer acht.

    Ich vermute, du berechnest Gewinnwachstum wie in diesem Forum beschrieben. Die Mittelwerte bei den Startpunkten helfen, extreme Ausreißer durch unbereinigte Daten zu filtern. Der Endpunkt ist indirekt gefiltert, da Analystenschätzungen zu wesentlichen Teilen die Vergangenheit fortschreiben.
    Die EPS-Zwischenwerte kann man deshalb ignorieren, da diese später bei der Berechnung der Robustheit und der Ausschüttunsquote betrachtet werden.

    Ich frage mich, ob man nicht auch für die Robustheit ein dreijähriges Mittel verwenden könnte, um den Einfluss von fehlenden Bereinigungen zu verringern. Also Robustheit als maximalen Einbruch vom gleitenden dreijährigen Durchschnitt, dieses Jahres, des Vor- und des nächsten Jahres zu definieren. Man müsste vermutlich die Skala aufweiten, da die Einbruchswerte grundsätzlich kleiner werden würden. Gäbe es Nachteile?
  • Peter888 schrieb:

    Was für Schwellwerte verwendest du? Ich hab eigentlich keine Ahnung, und hab die Schwellwerte willkürlich auf mindestens 3% absolutes Gewinnwachstum und max -40% Einbruch lang-/kurzfristiges Gewinnwachstum festgelegt.

    Prominentestes Beispiel ist Sanofi; aber auch IBM und Wal-Mark sind dabei...
    Ich arbeite an dieser Stelle nicht mit Schwellwerten, sondern mit quadratischen Abweichungen der Summe aus Gewinnwachstum plus Dividendenrendite (!) von +10%.
    IBM sieht dabei in der Tat grenzwertig aus (und bekommt inzwischen auch keine 200 Hamsterrad-Punkte mehr, wobei US-Titel gegenüber europäischen Aktien vom Hamsterrad-Sheet benachteiligt werden, weil die Aufwertung des Dollar gegenüber dem Euro unter den Tisch fällt).

    Mach mal eine zusätzliche Spalte für das EPS-Wachstum 2014-2018e, dann sieht Wal-Mart noch viel schlechter aus.
  • Peter888 schrieb:

    Ich frage mich, ob man nicht auch für die Robustheit ein dreijähriges Mittel verwenden könnte, um den Einfluss von fehlenden Bereinigungen zu verringern. Also Robustheit als maximalen Einbruch vom gleitenden dreijährigen Durchschnitt, dieses Jahres, des Vor- und des nächsten Jahres zu definieren. Man müsste vermutlich die Skala aufweiten, da die Einbruchswerte grundsätzlich kleiner werden würden. Gäbe es Nachteile?
    Ich halte das Bereinigen der EPS-Werte für alternativlos, deshalb stellt sich diese Frage für mich nicht: Wenn ich das Geschäftsmodell gut genug verstehen will, um mich letztlich für oder gegen einen Kauf zu entscheiden, dann muss ich früher oder später tatsächlich die Jahresberichte lesen - und dann fällt die Bereinigung quasi nebenbei mit ab.

    Es gibt Erfahrungswerte für die Robustheit bestimmter Branchen. Im Fall von Unilever wusste ich, dass die Robustheit verglichen mit Nestlé (das ja noch heftigere Sondereffekte aufweist) oder General Mills nicht so viel schlechter sein konnte und eine Bereinigung also voraussichtlich etwas bringen würde.

    Die Robustheit ist im Hamsterrad-Modell kein direkt erfasster Wert, deshalb kann man ihn leider nicht einfach durch einen branchenspezifischen Schätzwert überschreiben, um auszuprobieren, wie viele Punkte die Aktie bei entsprechender Robustheit gewinnen würde.

    Es gibt aber eine Modifikation bei der Berechnung der Robustheit, die ich inzwischen verwende.
    Es gibt ja Unternehmen, deren Bilanzjahr deutlich vom Kalenderjahr abweicht (Diageo, Procter&Gamble, Oracle etc.).
    Wenn nun ein Wirtschaftseinbruch im Verlauf eines Kalenderjahres erfolgte, dann bewirkt er bei Unternehmen, deren Bilanzjahr deckungsgleich mit dem Kalenderjahr liegt, einen heftigen EPS-Einbruch, während sich selbiger bei Unternehmen, deren Bilanzjahreswechsel in der Mitte des Kalenderjahres liegt, auf zwei Jahre verteilt. (Bei einer zeitlichen Verschiebung des Wirtschaftseinbruchs um 6 Monate liegt genau der umgekehrte Fall vor.) Beim ersten Unternehmen sinkt das EPS also beispielsweise um 36% in einem Jahr, beim zweiten hingegen zwei Mal in Folge um jeweils 20%. Beide Unternehmen sind jedoch "gleich robust" und sollten deshalb gleich bewertet werden.
    Deshalb verwende ich für die Berechnung des prozentualen Rückgangs des EPS inzwischen nicht mehr das Vorjahr, sondern das Maximum der beiden vorherigen Jahre als Referenzwert.
    Dieses Konzept ließe sich auch im Hamsterrad-Sheet durch eine Anpassung der "worst-case"-Formeln einsetzen.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Bereinigung ()

  • Peter888 schrieb:

    Der Endpunkt ist indirekt gefiltert, da Analystenschätzungen zu wesentlichen Teilen die Vergangenheit fortschreiben.
    Vor allem, weil sie keine Sondereffekte in ihre Schätzung des reported EPS mit einbeziehen, deren Ursache ihnen noch gar nicht bekannt sein kann.

    Deshalb ist das EPS2018e ein besserer Endpunkt als das EPS2016e, welches in vielen Fällen bereits einer Bereinigung bedarf. Und bei einigen Unternehmen läuft bereits das Bilanzjahr 2017.