Angepinnt Das Hamsterrad-System erklärt

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  • Das Hamsterrad-System erklärt

    Ich finde, das ist eine sehr gute Beschreibung für den Einstieg ins Hamsterradsystem:
    Karl Napf 8. Mai 2015 um 8:52

    Ich versuche mal mit möglichst wenig technischen Begriffen in Worte zu fassen, was Hamsterrad (nach meinem Verständnis seines Verfahrens) in seinem Bewertungssystem inhaltlich tut.
    Das Prinzip seiner Vorgehensweise ähnelt derjenigen von Stiftung Warentest:


    I. Er beschreibt Eigenschaften von Aktien,
    II. misst deren Ausprägung,
    III. bewertet das Ergebnis mit einer Punktzahl von 1 bis 10 (über eine Konfigurationstabelle),
    IV. gewichtet diese Punktzahlen jeweils mit einem Faktor (über eine Konfigurationstabelle) und
    V. addiert alle gewichteten Punktzahlen (zu einer Summe zwischen derzeit 30 und 300).


    Wobei nach meiner Erfahrung mit inzwischen 150 Aktien eine Punktzahl von über 200 “sehr gut” und eine Punktzahl von unter 100 “sehr schlecht” bedeutet – was sich jedoch nicht auf die Qualität des Unternehmens, sondern auf eine aktuelle Kaufentscheidung für die Aktie bezieht, denn die Bewertung der Aktie ist ein wesentlicher Anteil der Punktzahl.
    Robust wachsende Unternehmen mit aktuell deutlich überteuerter Aktie schaffen üblicherweise Punktzahlen um die 150, aktuell fair bewertete mittelprächtige Unternehmen ebenfalls.
    (Eine interessantes Experiment ist es, den aktuellen Kurs einer Aktie auf denjenigen Wert zu setzen, bei dem ein historisch durchschnittliches KGV erreicht wäre, denn dadurch wird die Timing-Komponente ausgeblendet und die resultierende Punktzahl beschreibt nun tatsächlich nur die Qualität des Unternehmens.)


    Für die Betrachtung einer jeden Aktie sind derzeit folgende 62 Daten zu erfassen:
    a) (12 Werte) der Aktienkurs vom letzten Tag der Bilanzjahre 2004-2014 und der aktuelle Kurs,
    b) (13 Werte) der Gewinn pro Aktie für die Bilanzjahre 2005-2014 und Analystenschätzungen desselben für 2015e-2017e,
    c) (14 Werte) die Dividende pro Aktie für die Bilanzjahre 2004-2014 und Analystenschätzungen derselben für 2015e-2017e,
    d) (10 Werte) die Anzahl der Aktien für die Bilanzjahre 2005-2014 und der aktuelle Wert (falls bekannt und von 2014 abweichend) sowie
    e) (13 Werte) der Buchwert pro Aktie für die Bilanzjahre 2005-2014 und Analystenschätzungen desselben für 2015e-2017e.


    Auch das Datum des nächsten Bilanzjahreswechsels ist zu erfassen – daraus wird die tagesgenaue (“+360d”) Bereinigung der Verschiebung der Bilanzjahre einiger Unternehmen gegenüber dem Kalenderjahr berechnet.
    Das Verfahren führt auch zu einem Ergebnis, falls die Datenerfassung lückenhaft erfolgt (und es gibt Situationen, in denen das Weglassen bestimmter Werte die Aussagekraft des Ergebnisses verbessert, etwa die Aktienzahlen für Jahre vor einer großen Fusion/Übernahme, weil diese den Blick auf die tatsächlichen Aktienrückkäufe verstellen würden – man könnte den Einfluss der Fusion auf die Aktienzahl auch durch einen “fiktiven Split” heraus bereinigen); die Qualität der Bewertung steigt aber normalerweise mit der Menge der erfassten Daten (und bei Wachstumsunternehmen sind fehlende Daten wegen der Berechnung von Mittelwerten üblicherweise nachteilig für die Punktzahl).
    Insbesondere ist es dringend zu empfehlen, auch Daten aus einer Zeit vor der Finanzkrise 2008/09 mit zu erfassen, um die Auswirkungen dieser Krise auf die Zahlen des Unternehmens zu berücksichtigen (andernfalls sind die Aussagen über “Robustheit” praktisch wertlos und das Wachstum von Zyklikern wird übertrieben hoch ausfallen).


    Kursdaten kann man sich aus diversen Quellen beschaffen (wer es genau haben will, findet offizielle Jahresendkurse oftmals in den Annual Reports des entsprechenden Unternehmens – eine Abweichung um z. B. einen Tag hat aber für das Gesamtergebnis keine erkennbare Auswirkung); für alle übrigen Daten verwende ich normalerweise die Angaben von Morningstar (10 Jahre Vergangenheit) und 4-traders.com (Analystenschätzungen).


    Hamsterrad erfasst alle Daten in der Bilanzierungswährung des jeweiligen Unternehmens (und sein Spreadsheet bietet durch eine Währungsumrechnungstabelle die Möglichkeit, trotzdem Aktienkurse in einer anderen Währung zu verwenden, falls man z. B. keine Kurse der Heimatbörse zur Verfügung hat – oftmals hilft hierbei das Listing an der Börse London); grundsätzlich wäre auch die Eingabe währungsnormalisierter Daten möglich, und für Aktien, die in Schweizer Franken bilanzieren, tue ich dies auch (weil Nestlé und Roche sonst deutlich benachteiligt würden).
    Die Erfassung der Daten für ein Unternehmen ist mit etwas Übung innerhalb von 15-20 Minuten zu schaffen.
    Die eigentliche Schwierigkeit steckt auch hier (genau wie bei meiner eigenen “Gier”-Bewertungsmethode) in einer eventuellen Bereinigung von Sondereffekten beim Gewinn pro Aktie (die je nach “Aktivität” des Unternehmens mehr oder weniger starke Auswirkungen haben kann, sowohl auf die Robustheit der Gewinne als auch auf das durchschnittliche Vergangenheits-KGV), für die ich in letzter Zeit verstärkt auf den “8-k-Report item 2.02/9.01” zurückgreife (das sind die offiziellen Quartalsdatenberichte für US-amerikanische Aktien, in denen Sondereinflüsse auf den Gewinn oftmals sehr detailliert erklärt und manchmal sogar in ein direkt verwendbares “adjusted diluted EPS” umgerechnet werden).


    Auf der Basis dieser erfassten Daten formuliert Hamsterrad folgende Fragen:
    [in eckigen Klammern das derzeit vorkonfigurierte Gewicht]


    Bewertung der Aktie [85 von 300 – beim Umstieg von 250 auf 300 Punkte deutlich erhöht]
    01. [6,0] (Markttiming) Wie teuer ist das KGV der Aktie im Vergleich zum mittleren Wert der letzten zehn Jahre?
    02. [2,5] (worst-case-Szenario) Wie teuer wäre das KGV der Aktie, wenn der Gewinn pro Aktie aktuell so stark einbrechen würde wie im schlechtesten der letzten zehn Jahre?


    Buchwert des Unternehmens [40 von 300]
    03. [1,5] (Substanz-Aufbau) Ist der Buchwert pro Aktie in den vergangenen 10 Jahren gestiegen oder gesunken?
    04. [1,5] (Substanz-Robustheit) Wie stark ist der Buchwert pro Aktie im schlechtesten der vergangenen 10 Jahre eingebrochen?
    05. [1,0] (worst-case-Szenario) Wie wäre die Buchwert-Entwicklung, wenn sich die Veränderung des schlechtesten der vergangenen 10 Jahre aktuell wiederholen würde?


    Entwicklung des Unternehmensgewinns [45 von 300]
    06. [2,0] (Gewinn-Wachstum) Wie stark liegt der Gewinn pro Aktie über bzw. unter dem mittleren Wert der vergangenen 10 Jahre?
    07. [1,5] (Gewinn-Robustheit) Wie stark ist der Gewinn pro Aktie im schlechtesten der vergangenen 10 Jahre eingebrochen?
    08. [1,0] (worst-case-Szenario) Wie wäre die Entwicklung des Gewinns pro Aktie, wenn sich die Veränderung des schlechtesten der vergangenen 10 Jahre aktuell wiederholen würde?


    Entwicklung der Aktienanzahl [25 von 300]
    09. [1,0] (Rückkäufe bzw. Verwässerung) Wie stark liegt die Anzahl der Aktien über bzw. unter dem mittleren Wert der vergangenen 10 Jahre?
    10. [1,0] (aktueller Trend) Lag die Veränderung der Aktienzahl im aktuellsten Bilanzjahr über oder unter dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre?
    11. [0,5] (worst-case-Szenario) Wie wäre die Entwicklung der Aktienzahl, wenn sich die Veränderung des schlechtesten der vergangenen 10 Jahre aktuell wiederholen würde?


    Entwicklung der absoluten Dividendenhöhe [45 von 300]
    12. [2,0] (Dividenden-Wachstum) Wie stark liegt die Dividende pro Aktie über bzw. unter dem mittleren Wert der vergangenen 10 Jahre?
    13. [1,5] (Dividenden-Robustheit) Wie stark ist die Dividende pro Aktie im schlechtesten der vergangenen 10 Jahre eingebrochen?
    14. [1,0] (worst-case-Szenario) Wie wäre die Entwicklung der Dividende, wenn sich die Veränderung des schlechtesten der vergangenen 10 Jahre aktuell wiederholen würde?


    Entwicklung der Dividendenrendite [30 von 300]
    15. [1,5] (Dividendenrendite-Wachstum) Wie stark liegt die Dividendenrendite über bzw. unter dem mittleren Wert der vergangenen 10 Jahre?
    16. [1,0] (Dividendenrendite-Robustheit) Wie stark ist die Dividendenrendite im schlechtesten der vergangenen 10 Jahre eingebrochen?
    17. [0,5] (worst-case-Szenario) Wie wäre die Entwicklung der Dividendenrendite, wenn sich die Veränderung des schlechtesten der vergangenen 10 Jahre aktuell wiederholen würde?


    Entwicklung der Dividenden-Ausschüttungsquote [30 von 300]
    18. [1,0] (Ausschüttungspolitik) War die Ausschüttungsquote in den vergangenen 10 Jahren hoch oder niedrig?
    19. [1,0] (Steigerungspotenzial) Ist die aktuelle Ausschüttungsquote hoch oder niedrig?
    20. [1,0] (aktueller Trend) Liegt die Ausschüttungsquote über oder unter dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre?


    Ein Anschauungsbeispiel für die konkrete Berechnung hat Hamsterrad selbst (noch auf der Basis von 250 Punkten) in seiner Dokumentation vorgeführt.


    Quelle: dividenden-sammler.de/9237/dep…015-kw-18/#comment-168784