Aktiengewinne versilbern im Rahmen der anstehenden Bundestagswahl und ggf. Wefall der Abgeltungssteuer

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  • Aktiengewinne versilbern im Rahmen der anstehenden Bundestagswahl und ggf. Wefall der Abgeltungssteuer

    Servus zusammen,

    gibts es von eurer Seite Überlegungen Aktiengewinne zu versilbern um die in Kürze relativ wahrscheinliche Abschaffung der Abgeltungssteuer zu umgehen? Ich sitze momentan auf Buchgewinnen von fast 50 k€ und einem persönlichen Einkommenssteuersatz von 32%. Würde ich nun z.B. 2018 einen Teil davon verkaufen (z.B. 20000€ Gewinne) so steigt mein Einkommenssteuersatz auf 34% (aufs gesamte Einkommen bezogen). Ich hab der Einfachheit halber ins Elsterformular mein Einkommen um die 20000€ erhöht und die Steuer berechnet. Statt 27000€ würde ich dann 36000€ bezahlen, das sind satte 9000€ auf 20000€ Buchgewinn was ich schon fast pervers finde. Mit 25% sinds nur 5000€ also 4000€ Ersparnis. Mein Gehalt ist hoch und wird auch nicht stark sinken, sodass der Einkommenssteuersatz sicher nie unter 25% liegen wird ausser ich halte die Papier bis zur Rente. Was ich mir eher vorstellen könnte wäre noch 20Jahre zu arbeiten und dann mit 55 vorzeitig in Rente zu gehen bzw auf Privatier zu machen. Wenn ich dann ohne zusätzliches Einkommen 10000-15000€ Buchgewinne jährlich bis zur regulären Rente verkaufe wäre mein Steuersatz natürlich deutlich niedriger aber wer schaut schon 20 Jahre in die Zukunft. Insgesamt ist meine Aktienquote momentan bei 70% tendenziell sinkend, da ich mei momentanen Marktständen lieber Cashaufbau betreibe anstatt zu investieren. Ich bin mir mometan nur nicht sicher ob es nicht besser wäre die Buchgewinne zu realisieren und dann die Aktien zurückzukaufen um die 25% mitzunehmen.Wie gesagt im Prinzip habe ich keine Veranlassung Aktien die nächsten 5-10 Jahre zu verkaufen, bis dahin kann die Sache ja schon wieder anders sein. Habt ihr ähnliche Gedanken oder lasst ihr die Steueraspekte völlig aussen vor? Theoretisch könnte ja auch die völlige Steuerfreiheit bei Haltedauer >1 Jahr kommen (was ich aber nicht glaube da der Staat Geld braucht). Meine Gewinneraktien zu verkaufen und zurückzukaufen dürfte mich bei 200000€ Kapitaleinsatz auch zw. 1-2 % kosten insofern bin ich momentan echt etwas unsicher und tendiere dazu die Sache einfach weiterlaufen zu lassen ohne Gewinne mitzunehmen. Ob der Zinseszinseffekt auf 10 Jahre die Steuerquote aufhebt ist für meinen Fall kaum zu bewerten oder bin ich nur zu blöd? Besten Dank schonmal für eure Einschätzung bzw. euren Standpunkt zu dem Thema allgemein
  • Deine Fragestellung ist in zweierlei Hinsicht unterspezifiziert:
    • Du weißt nicht, wie eine Nachfolgeregelung zur aktuellen Abgeltungssteuer exakt aussehen würde (vielleicht wird ja einfach der Steuersatz der Abgeltung erhöht?), also kannst Du nichts exakt rechnen;
    • Du weißt zudem nicht, ob Du die betreffenden Aktien irgendwann einmal verkaufen musst (beispielsweise weil das Unternehmen übernommen wird) oder ob Du die Buchgewinne "ewig" vor Dir her schieben kannst (bzw. willst).
    Deine Idee, Buchgewinne noch vor einer etwaigen Gesetzesänderung zu versteuern, ist nachvollziehbar. Die Frage ist, wie sie sich mit Deiner generellen Anlagestrategie verträgt:
    • Wenn Du die Aktien grundsätzlich lange halten willst, dann ist Deine Problemstellung nicht beantwortbar (siehe oben);
    • wenn Du hingegen jederzeit bereit bist, überbewertete Aktien gelegentlich durch gleich gute, aber fair(er) bewertete zu ersetzen, dann führt die dabei stattfindende inkrementelle Gewinnmitnahme dazu, dass sich Dein Problem gar nicht (bzw. in deutlich geringerem Ausmaß) stellt.
  • Na , du scheinst wirklich sparsam zu sein , wenn du das Gratisprogramm vom Finanzamt nutzt ;) .

    Für Kalkulationssimulationen zur Steueroptimierung eignet sich jedes andere auf dem Markt befindliche Programm besser , es werden mehr Hinweise auf Steuerreduzierungsmöglichkeiten eingespielt , das Finanzamt unterstützt so etwas mit Elster nicht so sehr .

    So wundere ich mich doch immer wieder , dass zahlreiche Teilnehmer mit Depots nicht einmal Private Programme nutzen , sondern tatsächlich auf Servern arbeiten , für mich kaum vorstellbar .

    Aber zu deiner Fragestellung , die natürlich vom Grundsatz her interessant ist aber leider zu keiner Entscheidung führen kann , wie ja auch Bereiniger schon geschrieben hat , solange nicht feststeht , was geschehen wird .
    Je nach Regierungsbildung kann die Kapitalertragsteuer erhöht werden oder aber die Einkommenssteuer Verpflichtung realisiert werden , man hofft natürlich in Verbindung damit auch gleichzeitig auf eine Erhöhung der Sozialabgaben , ich bezweifele das .

    Die Kirchen haben festgestellt , dass sie aktiv werden müssen , sie greifen seit einiger Zeit auch direkt zu , verlassen sich nicht mehr auf Einkommenssteuererklärungen , bei denen sie dann ohnehin zum Zuge kommen würden .
    Einem Wunder gleich wurde im letzten Jahr von der Kirche verkündet , obwohl weniger Mitglieder da seien , habe man dennoch mehr Steuern eingenommen , ja , warum wohl ?

    Ich habe einen Thesaurierenden Fonds Ende des letzten Jahres verkauft , ein weiterer wird demnächst folgen , hatte dabei auch die Vorstellung als Rentner abzugreifen , funktioniert jetzt nicht mehr so , da liegen die Fakten auf dem Tisch , also reagiere ich .

    Aktien zu verkaufen aus Steuerlichen Gründen , dann noch im Vorfeld , ich denke von meiner Seite aus ein klares nein .

    Aktien zu verkaufen , wenn man mit 70 % am Markt ist , ich denke schon .

    Cashaufbau allein ist nicht mein Ding ,wenngleich ich es auch z.T. mache , aber Geld muss arbeiten , ich bin absolut gegen ein reines Aktiendepot , ich bin natürlich auch nicht mehr am Anfang eines Depotaufbaus , ich muss bereits bewahren und absichern .

    Wir sind nun seit 2008 im Aufwärtstrend , alles vermutlich einer außergewöhnlichen Finanzsituation zu verdanken , Null-Zins Zeit .
    Das muss zu Ende gehen , ich vermute durch Verwerfungen , die sich im Politischen Bereich allmählich abzeichnen .
    Aus dem Grunde bin ich auch dabei stringent Währungsdiversifikationen zu realisieren , ich glaube nicht an den Euro , ich fürchte weitere Abwertung , wer vor Jahren in USD investiert hat , weiß warum , das Gleiche gilt für CHF ,beide Währungen konnte deutlich profitieren , mittlerweile ist auch ein klarer Trend bei den EM zu sehen , da tut sich etwas .

    2008 hat auch bei mir reingehauen , wenngleich abgefedert durch den Anleiheanteil , so etwas werde ich nicht mehr mitmachen wollen , deswegen habe ich vor einiger Zeit angefangen Ausstiegszenarien durchzuspielen , in mehreren Sheets simuliere ich die Reduzierung unterschiedlicher Aktienanteile .

    Ich hoffe , ich werde mich daran halten , die Ausgangsvoraussetzungen zu schaffen sind m.E. außerordentlich schwierig , ich habe das gezielte Reduzieren als schwieriger empfunden , als neu zu investieren .

    Insofern meine Empfehlung , bereite dich vor , aber orientiere dich so lange wie möglich am Marktgeschehen , das mit den Steuern kann , wenn überhaupt , erst greifen , wenn Fakten bekannt sind .
  • Pro schrieb:



    Aktien zu verkaufen , wenn man mit 70 % am Markt ist , ich denke schon .



    Ich hoffe , ich werde mich daran halten , die Ausgangsvoraussetzungen zu schaffen sind m.E. außerordentlich schwierig , ich habe das gezielte Reduzieren als schwieriger empfunden , als neu zu investieren .
    Was ist mit 70% am Markt konkret gemeint?
    Ausgangsvoraussetzungen zu schaffen??? Durch welche Szenarien? Was wird simuliert?

    Ich sitze auf einigen kurzfristigen (1 Jahr Investitionszeit) von 30 und mehr % und erwäge eine Gewinnmitnahme auch wegen meines begrenzten Investitionszeitraumes (Alter).
    Gibt es hierzu Empfehlungen, wie man den Ausstiegszeitpunkt bestimmen könnte? Trailing-Stop (z.B. 5%) für die einzelne Aktie und für die mutmaßlich relevanten Märkte? Sind Kurseinbrüche der betroffen Aktie in in der letzten Zeit (z.B. seit dem letzten Crash 2008) ein guter Anhaltspunkt für das Marktverhalten bei der betreffenden Aktie?
  • efuzzy schrieb:

    Ich sitze auf einigen kurzfristigen (1 Jahr Investitionszeit) von 30 und mehr % und erwäge eine Gewinnmitnahme auch wegen meines begrenzten Investitionszeitraumes (Alter).
    Gibt es hierzu Empfehlungen, wie man den Ausstiegszeitpunkt bestimmen könnte? Trailing-Stop (z.B. 5%) für die einzelne Aktie und für die mutmaßlich relevanten Märkte?

    Möchtest Du Bewertungen handeln oder Bewegungen?

    Hast Du eine eigene Meinung zum Wert Deiner Investments (dann überlege Dir, welche prozentualen Überbewertungen mitzuschleppen Du bereit bist) oder möchtest Du den Markt für Dich entscheiden lassen (dann ist ein Trailing Stop zumindest eine denkbare Methode, wenngleich Dir niemand die Aufgabe abnimmt, ein Toleranzintervall zu wählen, das Du als Trendwende interpretieren möchtest)?

    Und natürlich stellt sich nach dem Ausstieg die Frage: Wohin mit dem Geld?

    efuzzy schrieb:

    Sind Kurseinbrüche der betroffen Aktie in in der letzten Zeit (z.B. seit dem letzten Crash 2008) ein guter Anhaltspunkt für das Marktverhalten bei der betreffenden Aktie?
    Das kommt (auch) darauf an, ob die Aktie heute genauso hoch (über-) bewertet ist wie 2008 (sofern das Geschäftsmodell des Unternehmens noch dasselbe ist wie 2008).
    Genau dies versucht das Hamsterrad-Sheet übrigens nebenbei zu berechnen.

    Ich halte die 2008er-Entwicklung des (bereinigten) Gewinns pro Aktie für wichtiger als den (ggf. übertriebenen) Kursverlauf, denn je weiter ein Unternehmen davon entfernt war, rote Zahlen zu schreiben, desto wahrscheinlicher hat sich der Kurs der Aktie anschließend innerhalb weniger Jahre wieder erholen können.

    Und auch im "Alter" zwingt Dich ja niemand, sämtliche Aktien auf einen Schlag zu verkaufen - vor allem nicht solche, die weiterhin lückenlos steigende Dividenden ausschütten. Die "gängige Weisheit", mit steigendem Lebensalter die Aktienquote zu senken, hat in letzter Zeit einige Risse bekommen - nicht zuletzt durch das Wegfallen rentierlicher Alternativen sowie diffuse Währungs- und Inflationsängste.
  • Hallo efuzzy :)

    70 % beziehen sich auf die Angaben vom Threaderöffner :

    """Insgesamt ist meine Aktienquote momentan bei 70% tendenziell sinkend"""

    Ausgangsvoraussetzungen schaffen bedeutet bei etwa 35 Einzelpositionen , die ich im Aktienbereich betreue den Überblick zu behalten .

    Es ist wichtig zu wissen , wie sich das Gesamtdepot im Wert verändert , wenn ich in die einzelnen Positionen durch Verkäufe eingreife , das wird natürlich sofort angezeigt aber eben auch , wie hoch der Gewinn der veräußerten Anteile ist und was in der Position als Rest bleibt sofern ich die Position nicht liquidiere , oder aber wie sich der Fremdwährungsanteil verändert .
    Gleichzeitig behalte ich den Überblick über die Gesamtstruktur des Depots also auch incl. anderer Investitionen und deren Prozentuale Aufteilung zueinander .

    In dem Zusammenhang lassen sich natürlich Simulationen im Vorfeld durchführen , die einen "geordneten" Ausstieg ermöglichen , dabei orientiere ich mich auch aber nicht ausschließlich an Bewertungen , wie sie hier durchgeführt werden , die sind natürlich auch ein Baustein aber mich interessiert mindestens so sehr das Umfeld von Zahlen ,in Kurzform .. wird ge - oder verkauft , wie sind die Pressemitteilungen , wie die Analystenmeinungen ?

    Wenn du Positionen hast , die bereits nach einem Jahr 30% im Plus liegen , dann scheint es mir durchaus sinnvoll zu sein Gewinne mitzunehmen , wenn du an eine Weiterentwicklung glaubst eben auch successive .
    Wenn du also aus Altersgründen einen Crash nicht durchleben kannst , weil die erhoffte Erholung den Zeitrahmen sprengen würde , dann denke ich solltest du handeln .

    Sag mal , bist du der efuzzy , der mit BRL Anleihen so gut verdient hat und jetzt dabei ist auf Rubel zu setzen ? Dann ein noch herzlicheres Hallo !
  • Danke für die ersten Einschätzungen. Mir war fast klar dass es den heiligen Gral nicht gibt. Ich bleib wohl unverändert drinnen. Die 70% Anlagequote juckt mich weniger da ich erst 35 bin und das Geld nicht brauche (auch nicht im Rahmen eines Hauskaufes da ich mit meinem Gehalt und ner 30% EK-Quote supergünstig finanzieren könnte wenn ich wollte). Die Märkte sind hoch, meine Aktien sind aber eher nur leicht überbewertet im Vergleich zum Durchschnitts-KGV wenn überhaupt (viel Software bzw. internetlastige Unternehmen SAP, Oracle, IBM, Alphabet,Cisco,Priceline einges an Pharma CVS, Roche,Bayer,NovoNordisk bissl was spekulatives mit Monsanto+Gilead, Luxusgüter/Sport LVMH,Nike, Telekomu. Verizon etwas Finanzunternehmen Blackrock, Wells Fargo, wenig Nahrungsmittel bzw. Werte mit 0 Wachstum und KGV 20). Von Nahrungsmittel, Öl und Tabak habe ich mich seit 1-2 Jahren verabschiedet da m.M nach völlig überbewertet. Mein Depot sehe ich hinsichtlich Bewertung enspannt bzw. falls überbewertet wachsen die Werte aufgrund hohen Wachstums relativ schnell rein (z.B. Alphabet, Priceline,Nike). Im Falle eines Crashes würde es kurz-/mittelfristig natürlich ebenfalls leiden ist klar aber dafür sind die 30% Cash da um für diesen Fall voll zu investieren.
  • Bereinigung schrieb:

    efuzzy schrieb:

    Ich sitze auf einigen kurzfristigen (1 Jahr Investitionszeit) von 30 und mehr % und erwäge eine Gewinnmitnahme auch wegen meines begrenzten Investitionszeitraumes (Alter).
    Gibt es hierzu Empfehlungen, wie man den Ausstiegszeitpunkt bestimmen könnte? Trailing-Stop (z.B. 5%) für die einzelne Aktie und für die mutmaßlich relevanten Märkte?
    Möchtest Du Bewertungen handeln oder Bewegungen?

    Hast Du eine eigene Meinung zum Wert Deiner Investments (dann überlege Dir, welche prozentualen Überbewertungen mitzuschleppen Du bereit bist) oder möchtest Du den Markt für Dich entscheiden lassen (dann ist ein Trailing Stop zumindest eine denkbare Methode, wenngleich Dir niemand die Aufgabe abnimmt, ein Toleranzintervall zu wählen, das Du als Trendwende interpretieren möchtest)?
    Sowohl als auch. Obwohl ich mich mit einigen zugänglichen Aktienbewertungssystemen auseinandergesetzt und experimentiert habe, habe ich kein Fertiges, auf das ich mich bei meiner Investition bein Markteinbruch Ende 2015/Anfang 2016 gestützt habe.
    Zum anderen sehe ich es noch als problematisch an, daß diese Bewertungssysteme a priori davon ausgehen, dass der Markt Überbewertungen nicht toleriert.
    Die für mich "nicht marktkonforme" Performance haben gerade solche Unternehmen erzielt, die wegen einer Überbewertung in der Orginalliste bei Hamsterrad nicht aufgeführt sind.
    Ich hielt und halte aber Unternehmen wie
    Apple, Berkshire Hathaway, Danaher, Fresenius, HomeDepot, LVMH und NextEra Energy
    für stabile Unternehmen, weil sie zu den Marktführer in ihrem Marktsegment zu zählen sind oder einen potentiellen Kaptalstock haben.
    Bei diesen Unternehmen habe ich in etwas mehr als 1 Jahr überraschend meist mehr als 30% gewonnen und ich halte es für nicht sicher, dass diese Wertsteigerung nach einem Markteinbruch fortgeschrieben wird.
    Investieren würde ich in diese Unternehmen wahrscheinlich erneut nach Parken oder ETF-Trades.
    Hinsichtlich eines Marktrückganges spiele ich mit >5%, denke auch an eine Orientierung an dem Görges- BMI-Index oder einem 3-Sigma Stoplevel nach einer Dame, deren Name ich momentan nich mehr weiss.

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  • efuzzy schrieb:

    Zum anderen sehe ich es noch als problematisch an, daß diese Bewertungssysteme a priori davon ausgehen, dass der Markt Überbewertungen nicht toleriert.
    Diese Formulierung verstehe ich nicht. Der Markt selbst legt seine historische Bewertung der Aktie genau dadurch fest, dass er diese historische Bewertung im Schnitt "toleriert" hat - er kann gar keine "Überbewertung tolerieren", weil der Durchschnitt nicht höher als der Durchschnitt liegen kann.

    Du könntest lediglich argumentieren, dass "diesmal alles anders ist", also beispielsweise permanente "japanische Verhältnisse" für die nahe Zukunft postulieren, d. h. ein künftig höheres durchschnittliches Bewertungsniveau für alle Aktien.
    Dem widerspreche ich in zweierlei Hinsicht: Erstens haben sich auch die japanischen KGVs inzwischen auf westliches Niveau reduziert (was fast 30 Jahre sinkende Kurse in Japan bedeutet hat), und zweitens steigen die Zinsen in den USA, was mittelfristig zu wieder sinkenden KGVs führen muss (weil der Markt irgendwann auf Anleihen mit attraktiven Renditen umsteigen wird, um höhere Ausschüttungen mit geringerem Risiko als bei Aktien zu erhalten, sobald das Zinsniveau in den USA wieder deutlich über die durchschnittlichen Dividendenrenditen steigt - allein die Befürchtung eines solchen Szenarios drückt seit einigen Monaten die Kurse vieler reinrassiger Dividendenaktien, von denen derzeit einige sogar wieder zu historisch normalen Bewertungen im Angebot sind).

    Wenn ich mir die Liste der von Dir genannten Unternehmen ansehe und dabei berücksichtige, dass "der defensive Gesamtmarkt" momentan 121% seines historischen KGVs kostet, dann sehe ich folgendes:
    • Apple: Eigentlich nicht sinnvoll über ein KGV bewertbar, weil riesiges Gewinnwachstum in der Vergangenheit, das zuletzt dramatisch abgeflacht ist (so sehr, dass eine Regel innerhalb der "Gier"-Funktion nach dieser Aktie benannt ist).
      KGV lag 2010-2016 immer zwischen 9 und 13 mit Durchschnitt 11, aktuell kostet die Aktie ein KGV+365d von 14.5, also 135% des Durchschnitts.
      Ich verstehe das Geschäftsmodell nicht wirklich und sehe daher ein (möglicherweise zu) hohes Risiko, dass Apple irgendwann wegbricht wie Nokia (wenn asiatische Billighersteller die Marge erodieren) oder zumindest stagniert wie Intel.
      Warren Buffett hat seine Position gerade verdoppelt.
    • Berkshire Hathaway: KGV lag 2006-2015 fast immer zwischen 14 und 20 mit Durchschnitt 17, aktuell kostet die Aktie ein KGV+365d von 23 (genauso teuer wie 2008 auf dem Gipfel der US-Blase), also 132% des Durchschnitts.
      Die Aktie ist nur begrenzt sinnvoll über ein KGV bewertbar wegen ihres hohen Versicherungsanteils; Buffett selbst würde sein Unternehmen über das KBV bewerten (d. h. eigentlich über den "inneren Wert", der nach seiner Meinung deutlich höher liegt) und unter KBV 1.2 KBV eigene Aktien zurückkaufen (KBV2016: 1.486).
    • Danaher: KGV lag 2004-2015 immer zwischen 15 und 23 mit Durchschnitt 19, aktuell kostet die Aktie ein KGV+365d von über 26, also 137% des Durchschnitts.
      Möglicherweise bewertet der Markt nach der Abspaltung der Maschinenbausparte das nun reine Medizintechnik-Unternehmen höher als vorher, aber derzeit ist auch die gesamte Medizintechnik-Branche ziemlich teuer.
    • Fresenius: KGV lag 2004-2015 immer zwischen 11 und 19 mit Durchschnitt 15, aktuell kostet die Aktie ein KGV+365d von über 22, also 138% des Durchschnitts.
    • Home Depot: Die Aktie hatte 2004-2015 (auf der Basis unbereinigter EPS-Werte) ein relativ gering schwankendes KGV zwischen 14 und 18, aktuell kostet sie mit einem KGV+365d von 20 mehr als in jedem der vorherigen Jahre außer dem (ggf. bereinigungsbedürftigen? Mich interessiert die Branche nicht sonderlich, es könnte aber ein direkter Zusammenhang mit der US-Immobilienblase bestanden haben) Krisenjahr 2009 und damit 127% des Durchschnitts.
    • LVMH: Die Aktie kostet seit 2004 (auf der Basis unbereinigter EPS-Werte) ein sehr konstantes KGV von meistens zwischen 18 und 20 mit nur wenigen Ausreißern in beide Richtungen; aktuell liegt sie mit einem KGV+365d von knapp 21 am oberen Rand dieses Intervalls und bei 111% ihrer "normalen" Bewertung, was im Branchenvergleich (Tiffany, Richemont, Diageo) sogar eher günstig erscheint.
      Hier hast Du offenbar einen sehr guten Einstiegszeitpunkt gefunden (allgemeine Branchen-Skepsis nach Verschärfung der Anti-Korruptions-Gesetze in China 2012/13?).
    • NextEra Energy: Die Aktie kostet seit 2004 ein sehr geringfügig schwankendes KGV von fast immer zwischen 12 und 16 mit einem Durchschnitt knapp über 14; kurz vor der Finanzkrise war die Bewertung auf ein KGV von 18 gestiegen, seit 2015 liegt das KGV+365d wieder über 18 und aktuell sogar bei fast 20, also 138% des Durchschnitts und damit insbesondere im Branchenvergleich sehr hoch.
      Wieso nach der Wahl des Klimawandel-Skeptikers und Kohle-Wiederbelebers Donald Trump ausgerechnet der US-Stromriese mit dem höchsten Anteil an erneuerbarer Energie (28%) und fast komplett ohne Kohle (2%) seine Branche outperformed hat, ist mir ein Rätsel.
    Wenn diese Unternehmen knappe 10% pro Jahr an Wertsteigerung inklusive Dividendenausschüttung abliefern sollten, dann sind in den Kursen die Erwartungen der nächsten 3-4 Jahre eingepreist.

    Sollten diese Unternehmen in 4,5 Jahren wieder historisch normal bewertet sein (und bis dahin keine Krise ausbrechen!), dann würden sie bei aktuellem EPS-Wachstum und aktueller Dividendenrendite folgende "Rendite p. a. bis Endfälligkeit" erwirtschaften: 7.6% LVMH, 6.1% Home Depot, 5.9% Apple, 5.2% Fresenius, 3.4% Danaher, 3.0% Nextera Energy, 2.1% Berkshire Hathaway.

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  • Bereinigung schrieb:

    efuzzy schrieb:

    Zum anderen sehe ich es noch als problematisch an, daß diese Bewertungssysteme a priori davon ausgehen, dass der Markt Überbewertungen nicht toleriert.
    Diese Formulierung verstehe ich nicht. Der Markt selbst legt seine historische Bewertung der Aktie genau dadurch fest, dass er diese historische Bewertung im Schnitt "toleriert" hat - er kann gar keine "Überbewertung tolerieren", weil der Durchschnitt nicht höher als der Durchschnitt liegen kann.
    Wenn diese Unternehmen knappe 10% pro Jahr an Wertsteigerung inklusive Dividendenausschüttung abliefern sollten, dann sind in den Kursen die Erwartungen der nächsten 3-4 Jahre eingepreist.


    Sollten diese Unternehmen in 4,5 Jahren wieder historisch normal bewertet sein (und bis dahin keine Krise ausbrechen!), dann würden sie bei aktuellem EPS-Wachstum und aktueller Dividendenrendite folgende "Rendite p. a. bis Endfälligkeit" erwirtschaften: 7.6% LVMH, 6.1% Home Depot, 5.9% Apple, 5.2% Fresenius, 3.4% Danaher, 3.0% Nextera Energy, 2.1% Berkshire Hathaway.
    Vielen Dank für die Klarstellung und Nachhilfe hinsichtlich des Auswahlszenarios. Bei der Neuinvestition vor mehr als 1 Jahr habe mich --- vielleicht leichtfertig --- über das Ausmass des Rückschlagspotential/Stagnation der Kurse hinweggesetzt.
    Deinen Zahlen und Argumenten kann ich nichts entgegensetzen, trotzdem habe ich den Endruck, dass der Markt vielleicht lange Zeit benötigt um ein historische Bewertung zu finden, wahrscheinlich auch deshalb, weil die Bedeutung der Betätigungsfelder der Unternehmen sich ändert.
    Ich bin nicht in der Lage mich besser auszudrücken. Als Ansatz habe in mal die Entwicklung meiner "überbewerteten" Unternehmen für den Zeitraum "vor der Finanzkrise" bis heute mit den ersten Sieben der letzten veröffentlichten Hamsterrad-Liste, die so lange schon gehandelt werden oder nicht durch Marktkorrekturen dorthin gekommen sind, verglichen.
    Meine Überbewerteten erfuhren ca. eine 3 Mal so hohe Bewertung und bildeten besser einen Querschnitt durch das mutmaßliche zukünftige Wirtschaftsgeschehen; mit Cisco, SAP und Oracle habe ich eine IT-Klumpen, mit Bayer, CVS und Roche das Thema Gesundheit.

    Der Hinweis auf das Bewertungsrisiko zeigt mir deutlich die Relevanz meiner ursprünglichen Frage: Gewinnmitnahme; aber wann und wie Neuauswahl?