Büchertipps

    • Mal ein Buchtipp von mir. Ich lese gerade das Buch Common Stocks and Uncommon Profits and other writings von Philip A. Fisher.

      Das Buch beinhaltet drei Bücher von dem Autoren, das Beste davon ist "Common Stocks and Uncommon Profits", welches im ersten Teil des Buches zu finden ist. Die anderen zwei Bücher habe ich noch nicht gelesen, diese sollen aber nicht so gut sein.

      Das Buch wurde im Jahre 1958 geschrieben. Die Themen die es behandelt, sind aber weitgehend zeitlos.

      Das Buch richtet sich meiner Meinung nach an Personen, die viel Zeit in Unternehmensanalyse investieren wollen.
      Ich finde es perfekt für Personen, die bereits Jahresberichte von Unternehmen lesen und sich Segmenttabellen, wie diese von Bereinigung erstellen, aber nicht genau wissen, wie sie die Berichte und die Zahlen interpretieren sollen.

      Das Buch gibt es auch in deutsch. Wie gut die Übersetzung ist, weiß ich aber nicht.

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    • Ich habe gerade das Buch "One Up On Wall Street" von Peter Lynch gelesen.

      Peter Lynch war 1977-1990 Fondsmanager des Magellan Fonds, welcher bis
      zu 1.500 Aktien verwaltete. Das Buch hat er 1989 geschrieben.

      Im ersten dreiviertel des Buches erzählt er Anekdoten aus seiner Zeit
      als Fondsmanager und vertritt die Meinung, dass der Privatanleger dem
      professionellen Anleger überlegen sei, da dieser gute Produkte/Unternehmen aus eigener
      Erfahrung/Nutzung früher erkennen könne, als die abgehobenen Herren der Wall Street.

      Er schwärm von den sogenannten Ten-Baggers,
      das sind Aktien, welche ihren Wert innerhalb kurzer Zeit
      verzehnfacht haben. Er selbst gibt aber zu, immer nur einen
      Bruchteil davon als Gewinn realisiert zu haben, weil er immer
      viel zu früh verkauft hatte.

      Ganz nett anzusehen im Buch sind die vielen Chart-Grafiken, in denen
      wie hier im Forum der Aktienkurs über die EPS-Kurven gelegt werden.

      Am interessantesten fand ich das letzte Viertel des Buches. Peter Lynch unterteilt Aktien
      in 6 verschiedene Kategorien:
      -Slow Growers
      -Stalwarts
      -Cyclicals
      -Fast Growers
      -Turnarounds
      -Asset Plays

      Peter Lynch gibt Tipps, was man bei jeder der Kategorien beachten
      sollte und wann es Sinn macht, Aktien dieser Kategorien zu kaufen
      oder zu verkaufen.

      Stalwarts sind robuste Qualitätsunternehmen, welche ein mittleres Wachstum von 10-12% aufweisen.
      Einige dieser Aktien hatte Peter Lynch immer im Portfolio, weil diese im Crash stabilisierend wirken.
      Er hat Stalwarts regelmäßig gegen günstigere bewertete Stalwarts ausgetauscht, wenn das KGV zu hoch
      im Vergleich zum historischen KGV-Durchschnitt oder das KGV im Vergleich zur Peer-Group zu hoch wurde.

      Bei den Assets-Plays gibt ein paar gute Seiten über den Buchwert und
      warum es hier extrem wichtig ist zu wissen, warum Buchwert nicht
      gleich Buchwert ist, wenn man Unternehmen über den Buchwert
      vergleichen will.

      Bei den Zyklikern ist u.a. das Timing im Zyklus am wichtigsten.

      Das Buch hat mich weiter bestärkt in Stalwarts zu investieren, da hier
      auch laut Peter Lynch das Chance-Risiko-Verhältnis am optimalsten
      ist. Nach seiner Erfahrung kann mit einem Stalwart +50% in einem Jahr
      möglich sein, wenn alles perfekt läuft. Wenn es schlecht läuft nur
      -20%.

      Neben der Kennzahlen-Analyse erstellt er von einem Unternehmen auch eine
      kurze "Story", welche er regelmäßig neu erstellt und bewertet, als
      hätte er zum erstem Mal vom Unternehmen gehört.

      In dem Buch wird vom Handwerk eines professionellen Fondsmanagers
      erzählt. Die meisten Themen werden aber nur angerissen und gehen
      nicht groß ins Detail, vermutlich um die Leser nicht zu überfordern.
      Deshalb sind viele Tipps die er gibt, für den normal Anleger meiner Meinung
      nur schwer umzusetzen ohne dabei handwerkliche Fehler zu begehen.

      Wer ambitioniert ist und bereit ist, sich selbst etwas zu erarbeiten,
      kann aber die Hinweise die er gibt, als Orientierung nutzen, in welcher
      Richtung es Sinn macht weiter zu forschen.

      Das Buch gibt es auch in deutsch:
      amazon.de/Schritt-voraus-Aktie…enen-können/dp/3938350512

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    • Kurven mit dem KVB werden in dem Buch nicht gezeigt. Er scheint ein großer Fan von den "Earnings" zu sein. Nur bei den Asset-Plays spielen die Gewinne keine Rolle. Er sucht hier speziell nach versteckten Assets und hofft, dass der Markt die Unterbewertung irgendwann erkennt.

      Die Stalwarts sind eigentlich die einzige Kategorie, die er rein über die Kennzahlen (KGV) zu bewerten scheint und sind deshalb vom Schwierigkeitsgrad am einfachsten.

      Bei allen anderen Kategorien, ist es nicht so einfach und es fließen viele Dinge ein, die sich nicht nur über Kennzahlen definieren lassen.

      Die Fast Growers bewertet er u.a. auch nach dem KGV. Er bevorzugt hier Wachstumsraten von 20-25%. Alles darüber ist für ihn ein zu riskantes Business. Es fließen dann noch andere Dinge ein, wie z.B. das Balance Sheet, weil vor allem junge Unternehmen oft finanziell schlecht ausgestattet sind. Ihn interessieren auch nur "Fast Grower" in einer "Slow-Grow"-Branche. Denn wenn diese in so einer Branche schnell wachsen können, machen sie irgendwas richtig.

      Er verkauft Fast Growers, wenn das KGV nicht mehr zur Wachstumsrate passt. Z.B. bei einem KGV von 30 bei "nur" 15-20% Wachstum.

      Bei den Zyklikern achtet er neben anderen Nicht-Kennzahlen Faktoren ebenfalls auf das KGV. Hier signalisiert ein sinkendes KGV die Erholung des Zyklikers und ein sehr niedriges KGV weißt auf ein Ende des Zykluses hin. Das KBV wird hier nicht explizit erwähnt.

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    • YouTube-Video: Peter Lynch on Fidelity Investments (51 min)

      Im Vergleich zu vielen anderen Videos großer Investoren ist dieses hier relativ trocken, fast im Stil einer Vorlesung gehalten. Das hat den Nachteil, dass auflockernde Episoden weitgehend fehlen, aber den Vorteil, dass es sich voll auf Inhalte konzentrieren kann.
      Das Video liefert keine "großen Investment-Geheimnisse", sondern Peter Lynch geht ausführlich auf die Interpretation von Bilanzzahlen ein, sodass dieses Video als eine Art kostenloser "Grundkurs für das Lesen von Bilanzen" dienen könnte.

      In einer anderen Quelle fand ich die interessante Erwähnung, dass
      • der von Peter Lynch geleitete Magellan-Funds über eine Laufzeit von 13 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 29% p. a. erzielt hat, aber
      • der durchschnittliche Anleger, der in diesen Fonds investiert hatte, im selben Zeitraum sogar Geld verloren hat.
      Der Grund dafür ist erschreckend einfach:
      • Wenn ein Fonds mehrere Jahre lang gut performed hat, schütten die Anleger ihn mit Geld zu;
      • wenn ein Fonds mehrere Jahre lang schlecht performed hat, ziehen die Anleger ihr Geld dort ab.
      Wenn der Fonds jedoch eine langfristige Strategie verwendet, die sich vom Verhalten des Marktes insgesamt unterscheidet (und nur dadurch kann man den Markt schlagen), dann ist es leicht einsichtig, dass diese Strategie in bestimmten Phasen des Marktzyklus outperformen kann, während sie in anderen Phasen wahrscheinlich underperformen wird. (Beispiel: Berkshire Hathaway verzichtete auf die Teilnahme an der Internet-Blase und lag deshalb zeitweise weit hinter dem NASDAQ-Index, hat jedoch im Zeitraum von 1997-2007 selbigen deutlich übertroffen.)

      Genau dieses prozyklische Verhalten wird durch Fonds-Bewertungssysteme wie dem von Morningstar massiv befördert.

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