Mein Depot vs ETF

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    • Als Ende 2018 meine Jahresperformance negativ war, habe ich auch überlegt, warum der ganze Aufwand und nicht einfach ETFs kaufen. Zumindest einen Teil z.B. 50% meines Aktienanteils in ETFs, den Rest in Einzelaktien.

      Inzwischen habe ich das aber wieder verworfen, weil ich meinen Bewertungsansatz etwas modifiziert habe (mehr dazu unten) und fühle mich damit wieder ziemlich wohl.

      Der richtige Anlagestil ist eine höchst individuelle Sache und sollte auf jeden persönlich zugeschnitten sein.
      Ich habe von 2008 bis 2014 nur Aktien über ETFs gehalten, habe aber meine Aktienquote nie über 40% steigern können, weil ich immer Angst vor den nächsten Crash hatte. Erst als ich 2015 mit Einzelaktien anfing, konnte ich meine Aktienquote auf teilweise bis zu 90% (zur Zeit 80%) steigern. Der Grund warum ich hier mehr in Aktien investieren kann ist, weil man mit Einzelaktien individueller und unabhängiger vom Gesamtmarkt agieren kann. Allerdings kostet es auch viel mehr Zeit und Nerven. Wer nicht viel Zeit hat oder ein schwaches Nervenkostüm, fährt meiner Meinung mit ETFs viel besser.

      Alexxx schrieb:

      Der grundlegende Denkfehler ist, dass man glaubt mit dem System irgendwas zu erreichen.

      Nimm dir ein ETF MSCI World 70% + EM 70% und vergleiche das mal mit den Titeln, die das System mal ausgespuckt hat. Funktionieren tut davon langfristig nicht.
      Wo ist AT&T? Wo ist IBM? Wo ist CVS? Wo ist Roche?
      Das System bringt nicht die nötige Zuverlässigkeit. Rechne einfach mal selbst.

      Du kannst auch einfach die PDF (
      file-upload.net/download-13592080/KarlNapfEbook.pdf.html ) lesen und die Titel mal jetzt vergleichen nach 5 Jahren, die dort sich zum Kauf abgeboten hätten.
      Das älterste Hamsterrad-Sheet, welches bei mir mit Libreoffice funktioniert, ist vom 13.03.2016. Da sind aber auch ein paar Unternehmen mit hoher Punktezahl dabei, die ziemlich gut gelaufen sind, wie Microsoft, Mastercard, Visa.

      Man könnte mit diesem Dokument einfach einen Backtest erstellen, in dem man die splitbereinigten Euro-Kurse vom 13.03.2016 einträgt und die Euro-Kurse von heute.
      Aus der Differenz der beiden Kurse könnte man dann eine Rendite p.a. der letzten 3 Jahre berechnen und mit einem Index wie einen MSCI World in EUR (ohne Dividende) vergleichen.

      Dann könnte man z.B. Auswertungen mit verschiedenen Sortierungen machen. Rendite p.a. wenn man die besten 30 Aktien gekauft hätte, usw. Ob der kurze Zeitraum repräsentativ ist, weiß ich aber nicht.

      Wo ist AT&T? Wo ist IBM? Wo ist CVS? Wo ist Roche?
      Die waren seinerzeit ziemlich günstig bewertet?
      Das Problem bei günstig bewerteten Aktien ist, dass diese nicht umsonst so günstig sind.

      Man muss hier aber differenzieren zwischen günstigen Aktien bei einem günstigen Gesamtmarkt und günstigen Aktien bei einem teuren Gesamtmarkt.

      Als Gesamtmarkt könnte man z.B. die 70 Aktien aus dem Hamsterrad-Sheet nehmen und die durchschnittliche Abweichung aller Aktien vom Median aus dem KGV-Blatt berechnen.

      Ist eine Aktie historisch günstig bewertet bei einem historisch teuren Gesamtmarkt, dann verstecken sich in dieser Aktie größere Risiken.

      Bei einem Screener, wie dem Hamsterrad-Sheet oder dem Gier-System von Karl Napf bekommen Aktien Pluspunkte, wenn sie günstig bewertet sind und Minuspunkte, wenn sie zu teuer bewertet sind, unabhängig wie der Gesamtmarkt gerade steht.

      Nach meiner Erfahrung nach 4 Jahren mit diesen Systemen denke ich, dass man das Risiko maximiert, wenn man Aktien kauft, nur wenn diese gerade günstig sind und gleichzeitig der Gesamtmarkt teuer ist. Es ist auch eine von Gerd Kommers Argumentationen gegen Stockpicking, er sagt Aktienscreener sind Risikomaximierer.

      Etwas anderes ist es, wenn der Gesamtmarkt billig wird, bei z.B. einer Korrektur oder Crash, dann kann man billige Aktien ohne viel Risiko kaufen. Das war aber in den letzten 4 Jahren nicht wirklich der Fall.

      Andere Bewertungsfaktoren aus dem Hamsterrad-Sheet und Gier-System wie historisches Gewinnwachstum, Robustheit der Gewinne oder Pluspunkte wenn keine Dividenden ausgefallen sind, sind meiner Meinung aber Risikominimierer. Danach Aktien zu bewerten, finde ich nach wie vor sehr gut.

      Der Markt ist zu einem gewissen Grad effizient und wenn man nur Aktien kauft, wenn diese gerade günstig bewertet sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man zu viele zukünftige "Looser" erwischt.
      Dieses Wetten gegen den Markt kann man machen, für mich persönlich habe ich aber gemerkt, dass ich es nicht mit meinem gesamten Aktienanteil machen will.

      Nun ist es aber so, dass die Bewertung des Aktienmarktes auch Einfluss auf die Bewertung von Aktien hat. Bei überbewerteten Aktienmärkten sind die Aktien höher bewertet, bei niedrig bewerteten Aktienmärkten niedriger.

      Daraus folgen diese Annahmen bei einem Markt mit 120% relativer KGV-Bewertung (Anmerkung: 120% relative KGV Bewertung bedeutet eine 20% höhere Bewertung als der historische Durchschnitt).

      Eine Aktie mit 80% relativen KGV ist sehr günstig bewertet relativ zum Markt.
      Eine Aktie mit 100% relativen KGV ist günstig bewertet relativ zum Markt.
      Eine Aktie mit 120% relativen KGV ist fair bewertet relativ zum Markt.
      Eine Aktie mit 140% relativen KGV ist überbewertet relativ zum Markt.

      Weitere Annahme:
      Wenn es in einem 120% bewerteten Markt Aktien gibt, welche zwischen 80% und 100% bewertet sind und wir davon ausgehen, dass der Markt bei einer hohen Markt-Bewertung mit hoher Wahrscheinlichkeit effizient ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass in 100% bewerteten Aktien hohe Risiken stecken und in den 80% bewerteten Aktien erst recht.

      Anders in einem günstig bewerteten Markt wie 2008/2009. Dann stecken in Aktien, welche mit 80% bewertet sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit geringe Risiken.

      Mit diesen Annahmen kann man sagen, dass je weiter sich die relative Bewertung einer Aktie vom Gesamtmarkt entfernt, desto riskanter wird sie.

      In einem hoch bewerteten Aktienmarkt wie z.B bei 120% relativer KGV-Bewertung stecken dann die geringsten Risiken in Aktien, welche mit 120% relativen KGV bewertet sind.

      Nochmal ein Beispiel, welches meine These verdeutlicht:
      Angenommen ich halte den Markt zu 80% für effizient und für 20% uneffizient. Dann ergeben sich die folgenden Annahmen:

      Fair bewertete Aktien:
      80% Chance, dass die zukünftige Entwicklung wie erwartet durchschnittlich verläuft.
      20% Chance, dass die zukünftige Entwicklung unerwartet negativ verläuft.
      20% Chance, dass die zukünftige Entwicklung unerwartet positiv verläuft.

      Unterbewertete Aktien:
      80% Chance, dass die zukünftige Entwicklung negativ oder erwartet unterdurchschnittlich verläuft.
      20% Chance, dass die zukünftige Entwicklung unerwartet durchschnittlich verläuft.
      20% Chance, dass die zukünftige Entwicklung unerwartet positiv verläuft.

      Überbewertete Aktien:
      80% Chance, dass die zukünftige Entwicklung positiv oder erwartet "überdurchschnittlich" verläuft.
      20% Chance, dass die zukünftige Entwicklung unerwartet "durchschnittlich" verläuft.
      20% Chance, dass die zukünftige Entwicklung negativ verläuft.

      Mit diesen Annahmen ist es am riskantesten die unterbewerteten Aktien zu kaufen.

      Stark überbewertete Aktien würde ich aber auch meiden, weil überdurchschnittliche Erwartungen selten dauerhaft erfüllt werden können.

      Somit ist es am wenigsten riskant die fair bewerteten Aktien (relativ zum Markt) zu kaufen.

      Mein Bewertungsansatz seit 6 Monaten ist deshalb, dass ich in meinen Bewertungssystem günstigen Aktien keine Pluspunkte mehr gebe, sondern Minuspunkte. Des weiteren ist eine Aktie fair bewertet, wenn diese genauso bewertet ist, wie der Gesamtmarkt.

      Dann ist z.B. bei einem 120% bewerteten Markt eine Aktie mit 120% nicht überbewertet, sondern fair bewertet.
      Dagegen hat eine 100% bewertete Aktie mit großer Wahrscheinlichkeit bei einem 120% bewerteten Markt einen Nachteil, weil sonst wäre sie ja mit dem Markt auf 120% gestiegen. Deshalb bekommt so eine Aktie in meinem System Minuspunkte.

      Mit so einer Modifikation der "Günstig"-Komponente in einem Bewertungssystem ist dieses Verfahren kein Riskomaximierer mehr. Gerd Kommers Argument gegen Stockpicking kann hier nicht mehr bestehen.

      Mit dieser Modifikation der "Günstig"-Komponente kann man natürlich auch Looser erwischen. Ich glaube aber, dass die Wahrscheinlichkeit geringer ist, als bei den günstig bewerteten Aktien.
      Wichtig ist hier meiner Meinung nach aber auch eine große Streuung mit mindestens 40-50 Aktien, wenn man Stockpicking betreibt. Für kleine Depots ist das dann weniger geeignet und es macht viel Arbeit.


      Noch etwas zu der These, dass günstig bewertete Aktien weniger Fallhöhe bei einem Crash haben sollen:

      Meine These dazu: Wenn der Gesamtmarkt fällt, werden die unbeliebten (günstigen) Aktien genauso stark fallen, wie die teuren Aktien.

      Wenn der Gesamtmarkt mit 120% bewertet ist und bei einem Crash um 40% fällt auf 80% Bewertung, dann bedeutet das nicht, dass ein Depot mit günstig bewerten Aktien mit 100% Bewertung auch auf nur 80% Bewertung fällt und man damit nur 20% Fallhöhe hat.
      Die unbeliebten günstigen Aktien, werden bei einem Crash genauso stark verkauft, weil man sie jetzt ja in die beliebten "guten" Aktien tauschen kann, welche auch billiger geworden sind.

      Wenn man die Fallhöhe eines Depot bei einem Crash reduzieren möchte, dann sollte man das über eine reduzierte Aktienquote realisieren und auch Mid- und Small-Caps meiden, weil diese stärker als der Gesamtmarkt fallen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von finisher ()