Wie mit Fusionen umgehen?

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  • Wie mit Fusionen umgehen?

    Hallo zusammen,

    nachdem momentan viele Unternehmen zu fusionieren scheinen (Bayer+Monsanto, SABMiller+AnheuserBusch InBev) oder das in den letzten Jahren getan haben, stellt sich mir die Frage, wie man mit so etwas sinnvollerweise umgehen sollte. Bei Abspaltungen kann man sich ggf. noch mit Splitfaktoren behelfen, aber bei einer Fusion fällt mir keine Lösung ein.

    Die bisher erfassten Daten im Hamsterrad-Sheet zu den jeweiligen "Einzelunternehmen" passen dann nicht mehr, da es diese Unternehmen nicht mehr gibt. Einfach "alles zusammenaddieren" erscheint mir auch nicht zielführend zu sein, da hier sämtliche Synergieeffekte etc. unberücksichtigt bleiben und es vermutlich nicht sonderlich genau sein wird.

    Da wir hier dann also keinerlei "belastbare" historische Vergleiche mehr ziehen können (auf denen unsere ganze Bewertung aber ja basiert), wäre es eigentlich angebracht das entsprechend fusionierte Unternehmen die nächsten Jahre aus dem Anlageuniversum zu streichen und ggf. auf Branchenwettbewerber, zu denen die historischen Daten unverzerrt vorliegen, auszuweichen, oder sehe ich das falsch?

    Problematisch wird es aber wenn man das fusionierte Unternehmen "eingebucht" bekommt, weil man eines der "Vorgängerunternehmen" im Depot hatte oder es keine passenden Wettbewerber gibt (wobei ich mir das eigentlich fast nicht vorstellen kann).

    Über Anregungen bzw. Informationen würde ich mich freuen. :)

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Oliver ()

  • Oliver schrieb:

    Einfach "alles zusammenaddieren" erscheint mir auch nicht zielführend zu sein, da hier sämtliche Synergieeffekte etc. unberücksichtigt bleiben und es vermutlich nicht sonderlich genau sein wird.
    Das ist aber das Beste, was uns übrig bleiben wird.

    Die Synergieeffekte sind m. E. kein Problem, weil sie durch die Übernahmeprämie an die bisherigen Aktionäre des übernommenen Unternehmens weitergereicht werden, also nicht im neuen Unternehmen verbleiben.
    Bayer bezahlt ja nicht den Wert, den Monsanto alleine hat, sondern (hoffentlich nicht mehr als) den Wert, den es selbst aus Monsanto herausholen will. Andernfalls hätten die bisherigen Aktionäre ja keinen Anreiz, ihre Papiere herzugeben.

    Die Ausnahme wäre eine echte Fusion, also das Zusammenwerfen beider Unternehmen zu einem dritten, völlig neuen Konzern.
    In der Regel übernimmt aber ein Unternehmen das andere und setzt damit seine eigene Historie fort. Und genau das interessiert den Anleger, der diese Aktie im Depot liegen hat.

    Gerade der Fall Bayer + Monsanto ist relativ einfach: Alle Informationen sind verfügbar, die man braucht, um den kombinierten Konzern "hinzuschreiben", nämlich der Kaufpreis und der geplante Umfang der Kapitalerhöhung. Die für den Kauf der Monsanto-Aktien von Bayer aufzunehmenden Verbindlichkeiten dürfen wir uns als Dollar-Anleihen mit langen Laufzeiten denken (die einen natural hedge der übernommenen, stark dollarlastigen Assets darstellen werden), weil dieses Fremdkapital langfristig in der Bilanz verbleiben soll und die Refinanzierungsbedingungen gerade historisch günstig sind.
    Den Preis der neu auszugebenden Aktien kann man recht gut schätzen und daraus deren ungefähre Anzahl berechnen; für Leser, die hier ihre Hausaufgaben machen wollen: Welches KGV2019e hätte BayerMonsanto unter Berücksichtigung sowohl der Synergien als auch der zusätzlichen Kreditzinsen? Prüfsumme: Der kombinierte Konzern hat nahezu dieselbe Eigenkapitalquote wie die beiden Teile.



    Ich halte das Zusammenfügen zweier Unternehmen für einfacher als das Zerlegen eines Unternehmens in seine Teile - vor allem dann, wenn die Teile deutlich unterschiedlich funktionieren.
    Beispiele für letzteres wären die Abspaltung Baxalta von Baxter International oder AbbVie von Abbott Laboratories - bei diesen vier Unternehmen sehe ich keine glaubwürdige Historie, die ich der aktuellen Aktie zugrunde legen würde. Immerhin gibt es klar erkennbare Gründe dafür, dass das KGV von AbbVie deutlich niedriger ist als das KGV von Abbott, und die Bewertung der neuen Baxter orientiert sich in der Tat an ihrer neuen Peer Group.
    Auch die Trennung zwischen Kraft und Mondelez hat zwei kaum bewertbare Unternehmen hinterlassen, weil Kraft nahezu ohne Eigenkapital in seine neue, separate Existenz startete. Bewertet man nun die deutlich unterschiedliche Substanz beider Teile oder die relativ ähnlichen Gewinnerzielungspotenziale oder irgendwie doch beides?

    Die Abspaltung Covestro von Bayer sieht auf den ersten Blick ähnlich kompliziert aus, weil Covestro die mit Abstand geringste Marge innerhalb des Konzerns erzielt und zudem deutlich zyklischer ist als der Rest des Unternehmens. Bayer ändert also sein Geschäftsmodell, indem es mehr als 25% seines Umsatzes abtrennt, die gerade mal 10% des Konzerngewinns beisteuern. Hier haben wir jedoch das Glück, dass Bayer seine Material Science-Tochter nicht abspaltet, sondern (scheibchenweise) verkauft - der Wert von Covestro fließt dem Unternehmen also in Form der Verkaufserlöse wieder zu, sodass wir nichts umskalieren müssen.
    Natürlich ist auch zu berücksichtigen, dass Bayer durch die Trennung von Covestro ein wertvolleres Unternehmen wird, sodass die KGV-Historie in Zukunft eher übertroffen werden sollte. Hier könnte man beispielsweise Erfahrungen aus dem ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends heranziehen, inwiefern die Trennung von Lanxess zu einer KGV-Steigerung des damals noch überwiegenden Chemiekonzerns Bayer (der ja erst ein Jahr später Schering übernahm) geführt hatte.

    Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von Bereinigung ()

  • Bereinigung schrieb:

    Den Preis der neu auszugebenden Aktien kann man recht gut schätzen und daraus deren ungefähre Anzahl berechnen; für Leser, die hier ihre Hausaufgaben machen wollen: Welches KGV2019e hätte BayerMonsanto unter Berücksichtigung sowohl der Synergien als auch der zusätzlichen Kreditzinsen? Prüfsumme: Der kombinierte Konzern hat nahezu dieselbe Eigenkapitalquote wie die beiden Teile.
    Um die Lösung der Hausaufgabe etwas zu erleichtern, habe mal versucht zusammen zu stellen, welche Informationen mach sich beschaffen muss:

    1. Die Kosten der Monsantoübernahme und wieviel davon mit neuen Aktien und mit Fremdkapital finanziert werden soll.
    2. Die derzeitige Aktienanzahl von Bayer.
    3. Der geschätzte Preis der neu auszugebenen Aktien.
    4. Die zu erwartenden jährlichen Ergebnisbeiträge aus Synergien ab 2019.
    5. Die derzeitigen Zinsaufwendungen von Bayer und Monsanto.
    6. Den Zinssatz in Prozent, den Bayer derzeit für die Aufnahme von Fremdkapital in USD bezahlen müsste (z. B. für eine 10jährige USD-Anleihe).
    7. Das geschätzte EBIT und den Nettogewinn von Bayer und Monsanto im Jahre 2019.
    8. Die Eigenkapitalquote von Bayer + Monsanto für die Prüfsumme.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von finisher ()

  • Monsanto kostet heute $108,84. Das sind immer noch 17,6% Abstand zu den von Bayer gebotenen $128.

    Nachdem der Kurs von Bayer in letzter Zeit ganz gut gestiegen ist, was bei einer Kapitalerhöhung positiv für Bayer wäre und nun auch noch Warren Buffet bei Monsanto eingestiegen ist, wäre es sicher aus den aktuellen Gründen interessant, das KGV 2019e vom Bayer/Monsato Konzern auszurechnen. Der Lerneffekt ist hierbei bestimmt auch nicht zu verachten.
  • Für Bayer gibt es bei 4-Traders noch keine Schätzungen für das Jahr 2019.

    Für 2018 sähe das dann wie folgt aus:
    • Nettogewinn Bayer 2018e: 5928 Mio. €
    • Nettogewinn Monsanto 2018e: 2291 Mio. € (2375 Mio. USD / 1,05 )
    => 8219 Mio. € Nettogewinn kombiniert

    Jetzt brauchen wir noch die Anzahl der Aktien, die sich durch die Kapitalerhöhung erhöhen werden:

    Insgesamt plant Bayer für die Transaktion 76 Mrd. USD (72,4 Mrd Euro), was mehr ist als der Börsenwert (447 Mio Aktien x 128 USD = 57,2 Mrd. USD) und die Schulden (15,2 Mrd USD) von Monsanto addiert. Ist wohl ein Puffer dann?

    Bayer möchte davon 19 Mrd. USD (17,2 Mrd €) durch eine Kapitalerhöhung (Neue Aktien / Pflichtwandelanleihe) finanzieren. Das ergäbe bei einem Kurs von 90€ (Minimaler Kurs der Wandelanleihe) 191 Mio neue Aktien.

    => 17,2 Mrd. € / 90 € = 191 Mio Aktien

    Dieser Beitrag wurde bereits 10 mal editiert, zuletzt von WB1893 ()

  • Aktueller Börsenwert von Bayer: 87,491 Mrd. € / 106 € = 825 Mio. Aktien.

    Mit den obigen Werten wären 8219 Mio. € Nettogewinn auf 191 + 825 = 1016 Mio. Aktien zu verteilen.
    Das wären dann 8,09 € pro Aktie oder ein KGV von 13,1. (EPS 2018e: 7,01 €)

    Die Eigenkapitalquote von Bayer liegt bei 31%, während Monsanto die seinige durch Aktienrückkäufe auf 23% gesenkt hat.
    Bayer muss also knapp mehr als ein Viertel des Übernahmepreises mit Eigenkapital hinterlegen, um die kombinierte Eigenkapitalquote bei ca. 27% zu halten - das müssen aber nicht ausschließlich Aktien sein, wenn der Markt auch nachrangige Anleihen für 2,375% Zinsen absorbiert.
  • Nachdem durch den Verkauf von Covestro, der Gewinn von Bayer in Zukunft niedriger zu erwarten ist und der USD über 10% abgewertet hat, habe ich obige Rechnung mit den neuen EPS-Schätzungen von Bayer und Monsanto durchgeführt.

    Nettogewinn Bayer 2018e: 4860 Mio €
    Nettogewinn Monsanto 2018e: $ 2 513 Mio = 2094 Mio. € (bei USD 1,20)
    Summe: 6954 €

    Bayer will $19 Mrd. durch neue Aktien finanzieren. Das sind derzeit 15,83 Mrd. €.

    15,83€ / 98 € = 166,6 Mio Aktien (Annahme Ausgabekurs neue Aktien 10% unter aktuellen Kurs 109€).

    Mit den obigen Werten wären 6954 Mio. € Nettogewinn auf 166,6 + 825 = 991,6 Mio. Aktien zu verteilen.

    Das wären dann 7,01 € pro Aktie oder ein KGV von 15,55. (Bei Kurs 109€).



    Das gleiche nochmal für 2019 berechnet:

    Nettogewinn Bayer 2019e: 5 554 Mio €
    Nettogewinn Monsanto 2019e: $ 2 753 Mio = 2294 Mio. € (bei USD 1,20)
    Summe: 7848 Mio €

    Das KGV 2019e wäre bei 13,77.

    Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von finisher ()