Bauplan: Eine Marktampel aus dem Hamsterrad

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  • Boeing ist für mich eine Aktie , die im Schatten von Trump gut laufen wird .
    Ich halte sie in meinem "Ewigkeitsdepot" jetzt auch schon seit rd. 17 Jahren .
    Beständig war sie eigentlich immer , natürlich mit Bewegung aber letztlich eine Aktie mit guten Dividenden rd. 3,5 % und profitabler Vergangenheit und eben wegen , aber nicht nur wegen Trump vermutlich auch Zukunft .
  • Also ich muss gestehen , ich kann das nicht , jedenfalls weiß ich nicht , wie man so etwas abruft und aufbaut .
    Du wirst sicherlich einen Grund zu diesem Hinweis haben , für dich so schlecht gelaufen ,Mängel ?

    Also ich habe noch einmal nachgesehen , gekauft Anfang 1997 einen Teil davon nach zwei Jahren mit 75 % Gewinn verkauft , den Rest laufen lassen .

    Soweit ich mich erinnere , waren da eben auch Phasen , die beängstigend waren , aber grundsätzlich haben sie die Jahre gut überstanden .

    Der Kurs hat zum heutigen Ergebnis eine Steigerung von 190 % vorzuweisen und wie gesagt , gute Dividendenzahler .

    Wenn alles so gut gelaufen wäre , na toll .

    Für mich bleibt es ein Basisinvest im " Ewigkeitsdepot "
  • Pro schrieb:

    Du wirst sicherlich einen Grund zu diesem Hinweis haben
    Irgendwelche Behauptungen über irgendwelche Aktien, die irgendwer zu irgendeinem Zeitpunkt der Vergangenheit für irgendeinen Preis angeblich gekauft und bis heute gehalten haben will, nützen niemandem etwas und liefern insbesondere keine Anhaltspunkte dafür, ob es jetzt sinnvoll wäre, die betreffende Aktie zu kaufen, halten oder verkaufen: Ist die Aktie so gut gelaufen, weil
    • das Geschäftsmodell funktioniert oder
    • sie damals stark unterbewertet war oder
    • sie heute stark überbewertet ist?

    Pro schrieb:

    Wenn alles so gut gelaufen wäre, na toll .
    Es ist doch "alles so gut gelaufen wie Boeing". Wem willst Du etwas vom Pferd erzählen?

    Denn "+190% seit 1997" sind gerade mal +5,76% jährliche Rendite und damit exakt so gut wie der Index, in dem diese Aktie enthalten ist. (Wobei Boeing diesem Index 16 Jahre lang mit zum Teil weitem Abstand hinterher gelaufen ist, insbesondere in beiden Krisen 2003 und 2009 vergleichsweise deutlich tiefer fiel und seinen Index erst 2013 wieder eingeholt hat.)
    Du hast also eine durchschnittliche Rendite eingefahren und bist dafür ein überdurchschnittliches Risiko eingegangen. (Letzteres ist übrigens die Erklärung dafür, wieso das historisch durchschnittliche KGV von Boeing deutlich niedriger liegt als dasjenige von Nestlé oder Procter&Gamble.)

    Absolute Angaben mit Kaufterminen vor dem Gipskrieg sind Protzerei der "ich hab's ja schon immer gewusst"-Fraktion. Wir können diese Aktie heute nicht zum Kurs von 1997 kaufen - und nur das, was wir heute tun können, ist für aktuelle Entscheidungen relevant.
    Hättest Du von Deiner Boeing-Aktie nicht im Februar 2016 schwärmen können, also vor ihrem Kursanstieg um +50%? Das wäre für viele Leser vielleicht interessant gewesen (denn zu diesem Zeitpunkt hatte die Aktie tatsächlich mehr als 200 Hamsterrad-Punkte - mein Hamster-Klon hat damals also "geklingelt").

    Eine Hamsterrad-Datenerfassung würde im Vergleich dazu eine quantifizierbare Bewertung von Fakten liefern. Kommt Boeing dort zum aktuellen Kurs eher auf 100 oder eher auf 200 Hamsterrad-Punkte? In welchen Kategorien bekommt Boeing viele Punkte, in welchen Kategorien wenige - und warum?

    Pro schrieb:

    Also ich muss gestehen , ich kann das nicht , jedenfalls weiß ich nicht , wie man so etwas abruft und aufbaut.
    Lade Dir das Hamsterrad-Sheet herunter, such Dir einen bereits erfassten Titel mit gleicher Bilanzierungswährung und gleichem Bilanzjahresende aus (Vorschlag: General Electric, den Triebwerkslieferanten von Boeing) und überschreibe dessen Werte mit den Werten von Boeing.

    Die entsprechenden Informationen findest Du in den Jahresberichten von Boeing (die Du als langjähriger Aktionär ja sicher alle vorliegen hast), die EPS-Bereinigungen in den Reports Form 8-k item 2.02 jeweils zum 4. Quartal eines Bilanzjahres.
    "Buchwert pro Aktie" ist "shareholders' equity" geteilt durch die Anzahl der Aktien am Bilanzjahresende.
    Die (zahlreichen und in ihrer Höhe signifikanten) non-GAAP-Bereinigungen von Boeing sind alle unproblematisch und können direkt übernommen werden.

    Boeing ist geradezu der perfekte Titel, um eine solche Datenerfassung zu üben.

    Dieser Beitrag wurde bereits 25 mal editiert, zuletzt von Bereinigung ()

  • Bereinigung schrieb:

    Es ist doch "alles so gut gelaufen wie Boeing". Wem willst Du etwas vom Pferd erzählen?

    Denn "+190% seit 1997" sind gerade mal +5,76% jährliche Rendite und damit exakt so gut wie der Index, in dem diese Aktie enthalten ist. (Wobei Boeing diesem Index 16 Jahre lang mit zum Teil weitem Abstand hinterher gelaufen ist, insbesondere in beiden Krisen 2003 und 2009 vergleichsweise deutlich tiefer fiel und seinen Index erst 2013 wieder eingeholt hat.)
    Also zunächst mal danke , dass du die Anleitung gegeben hast , natürlich liegen mir als Langfristaktionär die Jahresberichte nicht vor , habe das auch als Ironie empfunden ,gekrönt mit deinem Hinweis auf Gipskrieg ,:-) wer soll denn in einem Depot mit rd. 35 Aktienpositionen die jeweiligen Jahresberichte haben oder gar lesen ,allemal dann , wenn er noch Geld mit anderen Dingen verdienen muss , ich mache es nicht .

    Und natürlich ist eben nicht alles so gut gelaufen wie Boeing , dann hätte ich damals keine Gen.Elt kaufen sollen , keine Cisco , keine Yahoo , keine AOL Time Warner etc .

    Das mit der Protzerei nehme ich dir übel , denn das ist es nicht , bei mir ausschließlich Selbstkontrolle über meine Engagements .

    Insofern liste ich nun mal alles , jede Investition , jeden Kauf , jeden Verkauf , jede Entwicklung ,Jahresabschlüsse sowie Erträgnisaufstellungen alles in Verbindung mit Nebenkosten , die angefallen sind , ebenso wie Steuerlichen Belastungen...

    Interessiert mich nun mal , wie " erfogreich " ich bin und dabei interessiert mich KEIN Index , es ist ausschließlich pro domo gerechnet .

    So ein Verfahren mit Excel ist , einmal tabellarisch angelegt mit ausreichend Referenzzellen , eine Kleinigkeit im Hinblick auf Pflege und Aktualisierung .

    Du darfst natürlich weiterhin davon ausgehen , dass alles nur Protzerei ist :) .
  • Bereinigung schrieb:

    Pro schrieb:

    Und natürlich ist eben nicht alles so gut gelaufen wie Boeing , dann hätte ich damals keine Gen.Elt kaufen sollen , keine Cisco , keine Yahoo , keine AOL Time Warner etc .
    Was Du damals hättest kaufen sollen, das wäre ein S&P500-Indexfonds gewesen - passend zum Zeitaufwand, den Du Deinen Investments widmest.

    Harte Aussage, die im Kern natürlich auf >90% der Privatanleger inkl. mich zutrifft.

    Nur mit dem von Dir erwähnten Zeitaufwand alleine ist es nicht getan. Auch das Lesen von Geschäftsberichten reicht eigentlich nicht aus. Es bedarf natürlich auch den Fähigkeiten diese korrekt zu interpretieren & sich mit den unterschiedlichsten Bilanzierungsmethoden auseinanderzusetzen. Daraus Dinge für die Zunkunft abzuleiten, sich teilweise mit den Produkten des Unternehmens zu befassen (nehmen wir Novo Nordisk aktuell), den gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Hauptabsatzmärkte etc. Dazu noch ein Bild von den Kompetenzen des Managementteams machen (ohne diese jemals persönlich treffen zu können)...und und und...wenn man dann mit z.B. Roche durch ist, schaut man sich Novartis, Sanofi etc. und die Zahlen, Fakten, Daten der Peergroup an.

    Jetzt schauen wir uns mal kurz im Spiegel an und auch wenn es hart ist fürs Ego...welcher Privatanleger macht das schon? Wer hat nicht nur die Zeit neben Sozial- und Berufsleben, sondern auch die notwendige Kompetenz? Wer hat die reflektive Fähigkeit das ganze in übergeordnete Dimensionen einzuordnen? Ständig neue Bewertungen vorzunehmen...

    Du vielleicht. Wobei mich Deine Kommentare eher darauf schließen lassen, dass Du das nicht alleine machst und dazu noch (semi)professionell. Das der Betreiber dieser Seite (Hamsterrad) diesen Aufwand betreibt, wage ich auf Grund seiner beruflichen Tätigkeit ebenfalls zu bezweifeln. Ergo müsstest Du ihm ja ebenso raten, sein Projekt rückgängig zu machen und doch wieder auf ETFs zu setzen.

    Unter anderem Mr.Market hat dazu mal einen passenden Artikel geschrieben. mr-market.de/gedanken-zum-langfristigen-vermoegensaufbau/
  • Juanito schrieb:

    Nur mit dem von Dir erwähnten Zeitaufwand alleine ist es nicht getan.
    Habe ich das behauptet?

    Die Investition von Zeit (und zwar mindestens so viel wie beim Planen des nächsten Urlaubs oder des nächsten Auto- bzw. Fernseherkaufs) ist eine notwendige Voraussetzung für das Verstehen, aber keine hinreichende.

    Wer diese Voraussetzung nicht erfüllen will (was das gute Recht eines jeden Anlegers ist), braucht sich in Sachen Verstehen schon mal keine Hoffnungen zu machen.
    Die Entscheidung zugunsten des S&P500 ist letztlich eine Entscheidung gegen eine kapitalbildende Lebensversicherung oder einen gemanageten Fonds mit jeweils höherer Gewinnmarge für deren Anbieter (und schlechterer Rendite für den Anleger selbst).

    Ich frage mich allerdings, warum ein Anleger, der nach eigener Aussage kein Interesse an Fakten zu seinen Anlagen hat, dennoch versucht, diese selbst auszuwählen und dann auch noch im Internet über Details zu diesen Unternehmen mitzudiskutieren, um sein selbst eingestandenes Unwissen öffentlich darzustellen. Ich halte dies für ein typisches Symptom der postfaktischen Gesellschaft.

    Niemand ist gezwungen, seine Altersvorsorge auf der Basis eigener Entscheidungen zu realisieren - die Tatsache, dass viele Leute das gar nicht können, hat zur Entstehung einer entsprechenden Dienstleistungssparte geführt. Aber wenn man es tut, dann sollte man es auf einer rationalen Basis tun.
    Und selbst wenn diese als Ergebnis nicht mehr liefert als die Entscheidung, Branchen mit schlechtem Chance/Risiko-Verhältnis zu meiden, kann dies den Zeitaufwand schon wert gewesen sein.

    Juanito schrieb:

    Das der Betreiber dieser Seite (Hamsterrad) diesen Aufwand betreibt, wage ich auf Grund seiner beruflichen Tätigkeit ebenfalls zu bezweifeln. Ergo müsstest Du ihm ja ebenso raten, sein Projekt rückgängig zu machen und doch wieder auf ETFs zu setzen.
    Man kann Synergie-Effekte für sich arbeiten lassen. Die Realisierung des Excel-Sheets erfordert beispielsweise andere Skills als die Bereinigung von EPS-Daten. Letztere stammen zudem sehr wohl zu einem nennenswerten Teil von Hamsterrad selbst.

    Ich halte das Hamsterrad-Sheet nicht für perfekt (wie Du meinen diversen Erweiterungsvorschlägen entnehmen kannst). Aber ich halte es für besser als die Auswahl von Aktien aufgrund von (oftmals prozyklischen) "Wohlfühlkriterien" (und insbesondere die Selbstbetrug-Argumentation: "Ich habe die Aktie schon 20 Jahre im Depot und mein Kapital damit verdreifacht, also interessiert mich nicht, ob das ein schlechtes Investment war oder nicht") oder (neutralen) Dartpfeilen.

    Das Hamsterrad-Sheet arbeitet auf einer breiteren Kennzahlenbasis als mein eigenes System. Es verwendet jedoch "kompatible Ideen", nämlich die Belohnung von Wachstum und Robustheit.
    Deshalb verwende ich eine modifizierte Version des Sheets selbst, um zu beobachten, inwiefern beide Methoden dieselben Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen geben, und habe ein paar Mal beobachten können, dass es Aspekte berücksichtigt, die meine eigene Methode ignoriert hätte, und mir deshalb als Tie-Breaker zwischen gleich gut bewerteten Aktien einen echten Mehrwert liefern kann.

    Gleichzeitig ist jedoch der Thread, in dem wir gerade diskutieren, ein Versuch, eine Alternative zum mechanischen monatlichen Anlegen darzustellen.
    Meine Idee diesbezüglich lautet, im Falle einer "niedrigen Marktbewertung" die Spar-Rate eher zu erhöhen und im Falle einer "hohen Marktbewertung" die Sparrate zu reduzieren - also das Geld zwischenzuparken und beim Unterschreiten eines (subjektiv zu definierenden) Schwellwertes eine doppelte Spar-Rate einzusetzen.
    Ob man für das Bestimmen von "oben" und "unten" die Hamsterrad-Marktampel einsetzt oder den Fear & Greed Index von CNN, halte ich für weniger wichtig, als die Idee an sich überhaupt an sich heran zu lassen. Ich will hier lediglich zeigen, dass in der Hamsterrad-Logik (ebenso wie im "Schwarm-Working") das Potenzial für einen solchen Indikator steckt - und dass dieser Indikator signifikant anders "schwingt" als der Fear & Greed Index, weil das Hamsterrad-Universum mit seinen 65 Nichtzyklikern sich (gewollt) anders verhält als der Gesamtmarkt.

    Hamsterrad hat (bis zur aktuellen Pause seiner Investitionen) mechanisch jeden Monat zwei Aktienpositionen aufgestockt. Dabei hat er ein einziges Mal auch eine Aktie mit einer Hamsterrad-Bewertung von deutlich weniger als 200 Punkten gekauft. Diese Aktie hieß - Novo-Nordisk. Und wir sehen heute, welche Fallhöhe in der damals hohen Bewertung dieser Aktie steckte.
    Ein Aussetzen seiner monatlichen Käufe hätte ihn vor dem seither eingetretenen Kursverlust bewahrt - und ihm die Liquidität beschert, die Aktie jetzt zu einem niedrigeren Kurs zu kaufen (wenn man denn an dieses Unternehmen glaubt).

    Es gibt neben dem Lesen von Jahresberichten viele andere Dinge, die man tun kann, um seinen finanziellen Horizont zu erweitern.
    Die "Marktampel" versucht, etwas ganz Triviales in die Köpfe ihrer Leser zu bringen: "Es ist besser, Aktien billig zu kaufen als dieselben Aktien teuer zu kaufen". Wenn ich das so simpel formuliere, dann wird es wenige Leute geben, die dieser Idee widersprechen (vor allem dann, wenn sie die betreffende Aktie anschließend "ewig" halten wollen - denn in diesem Fall muss ihnen egal sein, warum die Aktie aktuell billig ist).
    Dieselben Leute behaupten aber, dass viele Aktien "immer überbewertet" seien (was per Definition nicht möglich ist, wenn die faire Bewertung auf dem Durchschnitt der historischen Bewertungen basiert, weil der Markt auf lange Sicht effizient ist).

    Es wird wenige Anleger geben, die jetzt lang laufende Bundesanleihen kaufen mit der Begründung, dass diese Anleihen ja so stark gestiegen sind und deshalb auch weiter stark steigen werden. Es gibt aber zahlreiche Anleger, die Bundesanleihen für weniger spekulativ halten als den DAX, obwohl die letzten beiden Jahren das Gegenteil gezeigt haben. Dabei wird (hoffentlich) jedem Leser klar sein, dass eine Anleihe so definiert ist, dass sie am Ende ihrer Laufzeit nur genau ihren Nennwert zurückzahlt, ihr Kurs also auf 100% zurückkehren muss.
    Warum glauben dieselben Anleger jedoch, Aktien könnten ihre Bewertung dauerhaft vom unternehmerischen Erfolg abkoppeln und beliebig weiter steigen? Nur weil es kein definiertes Rückzahlungsdatum gibt, kann man doch nicht einfach davon ausgehen, dass dieselbe Logik hier nicht gilt - denn würden Aktien immer teurer und Anleihen nicht, dann würde die Rendite bis Endfälligkeit bei Anleihen irgendwann deutlich höher als die Dividendenrendite von Aktien (was übrigens bis vor wenigen Jahren der Normalfall war!), und dies bei geringerem (Insolvenz-)Risiko. Spätestens dann werden Umschichtungen von Aktien in Anleihen erfolgen und damit eine Rückkehr zur Normalität einleiten. Das war 2001 nach der Internet-Blase so und 2008 nach der Immobilienblase ebenfalls.

    Die Marktampel versucht, zu zeigen, dass bei Normalisierung beider Entwicklungen auf den inneren Wert der Investments im Anleihemarkt aktuell eine viel größere Blase vorhanden ist als bei Aktien - was zur Investition in Aktien ermutigen soll. (Und zwar unabhängig davon, ob man Einzelaktien oder ETFs verwendet!) Und dem pauschalen Geschwätz "Aber wir haben doch eine Aktienblase..." halte ich entgegen: "Ja, die haben wir, aber sie ist das messbar kleinere Übel gegenüber der Anleiheblase". Eine 30-jährige Anleihe der Bundesrepublik Deutschland liefert eine Rendite von weniger als 1% vor Steuern und Inflation, ist also bewusste Kaufkraftverbrennung (auch bekannt als "Selbstmord aus Angst vor dem Tod").

    Diese Entscheidung zwischen Aktien und Anleihen halte ich für wichtiger als die Auswahl konkreter Einzelwerte - denn die Renditedifferenz zwischen Aktien und Anleihen auf lange Sicht ist höher als die Überrendite, die ein erfolgreicher Stockpicker gegenüber einem ETF erzielen wird.
    Ich halte allerdings auch die Entscheidung zwischen Zyklikern und defensiven Geschäftsmodellen für wichtig - insbesondere in Zeiten mit erkennbaren Bewertungsblasen, denn Zykliker weisen selbst bei gleicher langfristiger Wertentwickung den höheren Hebel beim Weg nach unten auf. Und wir sind momentan zweifellos nicht "unten", egal nach welcher (funktionierenden) Bewertungsmethode.
    Ob man diese Erkenntnis mit dem Kauf von Einzelwerten oder mit dem Kauf defensiver Branchen-ETFs in seinem Depot konkret umsetzt, ist Geschmackssache. Ich brauche aber die Analyse von Einzeltiteln, um überhaupt mal zu konkreten Daten zu kommen, denn ein ETF weist kein konkretes KGV auf (und schon gar nicht auf der Basis bereinigter Gewinne) und widersetzt sich dadurch jeglichem eigenen Denken.

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  • Nachtrag (10000-Zeichen-Begrenzung pro Posting, wobei Links offenbar mitgezählt werden):

    Und was auch immer man Negatives über das KGV als Bewertungsansatz vorbringen mag (das insbesondere bei Zyklikern keine sinnvollen Ergebnisse liefert): Seine Beachtung hätte die Anleger vor dieser und dieser und dieser und dieser und dieser Anlage bewahrt.

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  • Bereinigung schrieb:

    Ich frage mich allerdings, warum ein Anleger, der nach eigener Aussage kein Interesse an Fakten zu seinen Anlagen hat, dennoch versucht, diese selbst auszuwählen und dann auch noch im Internet über Details zu diesen Unternehmen mitzudiskutieren, um sein selbst eingestandenes Unwissen öffentlich darzustellen. Ich halte dies für ein typisches Symptom der postfaktischen Gesellschaft.
    Na , das ist aber doch Unsinn , Symptome der postfaktischen Gesellschaft sind doch erst vor kurzem und nicht schon vor 20 Jahren aufgetreten ,ach ja , für dich natürlich schon , also was soll das ? Eine unschöne Mode-Vokabel dazu , jedem Lateiner wird sich der Magen drehen .

    Warum versuchst du immer wieder Beleidigungen rauszuhauen , na gut , deine Sache , aber dir ist schon klar , dass du dich damit offenlegst , macht aber nichts , nur weiter so , jede dieser Bemerkungen rundet dein Ego ab , eine sachliche Diskussion sieht anders aus .

    Es stimmt einfach nicht was du da schreibst , es gibt eben unterschiedliche Ansätze , zu unterstellen , dass man die Frechheit besitzt Aktien auszuwählen ohne sie vorher nach deiner Methode analysiert zu haben ist eben keine Frechheit , selbstverständlich informiert man sich zuvor gleichwohl umfassender als zur Vorbereitung einer Reise , auch schon wieder so eine unsinnige Tretmine .

    Es gibt außer der von dir gewählten Vorgehensweise genügend andere , du musst sie ja nicht akzeptieren aber wenn du wirklich an einer fairen Behandlung des Themas interessiert bist , solltest du sie wenigstens zur Kenntnis nehmen .

    Wenn du natürlich siehst , dass Leute Geld mit Aktien verdienen obwohl sie nicht deine Vorgaben erfüllen , dann wirst du ausfallend , sollte es sogar auch noch durch Unwissenheit geschehen , verlierst du die Beherrschung , na ja .

    Man überzeugt eben nicht durch eigene Lehre , sondern durch Fakten , die du ja aus verständlichen Gründen nicht offen legen willst , was ich akzeptiere und durchaus verstehe .

    Aber dann sei so gut und nimm allein für dich diese seeligmachende und erfolgreiche Methode in Anspruch und lass andere ihr Ding machen , bzw. überlass ihnen , ob sie dir folgen oder nicht .

    Zu deinen Gedankengängen der Anleihen könnte man eine Menge sagen , da gehst du von Voraussetzungen aus , denen ich widersprechen würde , aber ich lasse es jetzt , weil ich hier keine unnötige Schärfe hineinbringen möchte , es wäre schade , denn ich finde deine Gedankengänge und die anderer Beteiligter hier im Blog interessant und lesenswert .
  • Bereinigung schrieb:

    Nachtrag (10000-Zeichen-Begrenzung pro Posting, wobei Links offenbar mitgezählt werden):

    Und was auch immer man Negatives über das KGV als Bewertungsansatz vorbringen mag (das insbesondere bei Zyklikern keine sinnvollen Ergebnisse liefert): Seine Beachtung hätte die Anleger vor dieser und dieser und dieser und dieser und dieser Anlage bewahrt.
    Hallo Bereinigung,
    phänomenal. Vielen Dank für deine umfassenden Ausführungen. Diese sind für mich unglaublich bereichernd. nachdem ich anfangs oft 'blind' in Zyklikerwerte gerannt bin, ist mir mittlerweile bewusst, wie wichtig Robustheit und (Gewinn-)Wachstum in Auswirkung auf die Falltiefe bei Kaufentscheidungen ist...
    Viele Grüße


  • Der "America first"-Kaufrausch tobt sich fast ausschließlich im Zykliker-Bereich aus und lässt defensive Werte komplett links liegen; die Konsumgüter- und Nahrungsmittelaktien, also die klassischen Dividendenaristokraten, werden in Erwartung steigender US-Zinsen weiterhin gemieden.
    Der Markt rotiert gerade von "langfristig sicheren" in "kurzfristig chancenreiche" Investments: AB InBev, British American Tobacco, Colgate-Palmolive, Danone, General Mills, Hershey, Imperial Tobacco, Kellogg, Kimberly-Clark, Lindt & Sprüngli, Nestlé, Reckitt Benckiser und Vodafone kosten (in ihrer jeweiligen Bilanzierungswährung) weiterhin mindestens 10% weniger als im August diesen Jahres, trotz der täglichen Allzeit-Hochs der US-Indizes.

    Zwei der sieben Aktien mit aktuell mehr als 200 Hamsterrad-Punkten (nämlich Novo Nordisk und CVS Health) sind bei ihrer Kursentwicklung seit August 2016 die Schlusslichter innerhalb des Hamsterrad-Universums; die fünf anderen haben sich kursmäßig durchschnittlich (-3,5%) entwickelt.
    Am stärksten gestiegen seit August sind innerhalb des Hamsterrad-Universums diejenigen Branchen, die von Trumps angekündigter Wirtschaftspolitik (pro fossile Rohstoffe, kontra Bankenregulierung) am meisten profitieren sollten, nämlich Öl/Chemie (BASF mit OPEC-Booster, Linde mit neuer Fusionsfantasie) und Versicherungen (Allianz, Münchener Rück, UnitedHealth).
    Boeing würde in diesem Zeitraum die Liste gemeinsam mit BASF anführen. Falls also jemand aktuell eine Blase für Gewinnmitnahmen sucht: Dort ist sie am ehesten zu finden.

    Interessanterweise liegt die durchschnittliche Bewertung des Hamsterrad-Universums weiterhin um 7,86% niedriger als im August, obwohl die Aktienkurse im selben Zeitraum nur um durchschnittlich 3,5% gesunken sind.
    Die Differenz zwischen beiden Werten ist der Verbesserung der Zukunftsperspektiven dieser Unternehmen zuzuschreiben, also ihrem Gewinnwachstum und dem simplen Verstreichen von 3 Monaten Zeit, die zu einem höheren Einfluss der Analystenschätzungen des nächsten Jahres auf die KGV+365d-Berechnung geführt hat.

    Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von Bereinigung ()

  • Ich habe kein auf 2017 umgestelltes kompatibles Hamsterrad-Sheet mit allen 64 Aktien drin, sonst würde ich mal schnell die aktuellen Kurse eintippen. (Mein eigener Hamster-Klon ist umgestellt, aber dort habe ich nicht alle Hamsterrad-Aktien drin.)

    Ich denke aber nicht, dass die "Bolivien-Ampel" (deutlich) über 120% steht, weil die Trump-Rally an den defensiven Werten eher vorbeigegangen ist. (Der korrespondierende Wert in unserer 335er-Watchlist steht auf 118%, und die Differenz gegenüber dem Hamsterrad-Index war bisher immer relativ klein.)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Bereinigung ()