EPS-Wachstum und Dividendenrendite: Einfluss auf das Wachstum des Depotwertes

  • EPS-Wachstum und Dividendenrendite: Einfluss auf das Wachstum des Depotwertes

    Die "Fachpresse" wird nicht müde, zu betonen, dass die Dividendenrendite einen entscheidenden Einfluss auf den Wertzuwachs eines Aktiendepots habe. "Nur Bares ist Wahres" und "Kursgewinne können sich wieder in Luft auflösen" - solche Parolen werden immer wieder verbreitet.

    Die zugrundeliegende Annahme des Hamsterrad-Sheets lautet, dass Aktien über kurz oder lang wieder zu ihrer historisch normalen KGV-Bewertung zurückkehren (sofern das KGV überhaupt ein taugliches Maß für die Bewertung der jeweiligen Aktie darstellt).
    Falls dies zutrifft, dann muss sich EPS-Wachstum auf lange Sicht 1:1 in Kurswachstum der betreffenden Aktie übersetzen.
    Wenn man nun dieses EPS-Wachstum annualisiert berechnet, dann muss die Summe aus EPS-Wachstum p.a. und Dividendenrendite p. a. das sein, was dem Depot an Wertzuwachs potenziell zufließen sollte.

    Und wenn man diese beiden Werte für jede Aktie berechnet hat, dann kann man ausrechnen, welchen Anteil an diesem Wertzuwachs die Dividenden innerhalb des Hamsterrad-Universums ausmachen.

    Das Hamsterrad-Sheet berechnet das EPS-Wachstum nicht explizit. Auf dem Blatt "Ergebnis je Aktie verwässert" lässt sich jedoch dieses EPS-Wachstum mit minimalen Aufwand als zusätzliche Spalte rechts anfügen. Die Formel dafür lautet (in der obersten Zeile): =POTENZ (F4/R4; 1/12) - 1 - in Worten: "Die 12. Wurzel aus EPS2018e / EPS2006 minus 100%."
    Bei manchen Aktien liegt im Hamsterrad-Sheet keine volle EPS-Historie seit 2006 vor; für diese Titel muss man die Formel entsprechend anpassen (wobei man ggf. nicht unbedingt das erste erfasste Datenjahr verwenden sollte, wenn der EPS-Wert dort sehr nahe bei Null liegt, weil man sonst ein unrealistisch hohes EPS-Wachstum erhält).

    Die Dividendenrendite +360d kann man im Hamsterrad-Sheet direkt aus dem Blatt "Dividendenrendite" ablesen.

    Wenn man nun diese beiden Werte in eine eigene Tabelle überträgt, dann erhält man folgendes Ergebnis:



    Innerhalb des Hamsterrad-Universums steuert die Dividende also gerade mal 29% zum Wertzuwachs des Depots bei, während 71% aus dem Gewinnwachstum stammen.

    In Einzelfällen kann das Gewinnwachstum auch negativ ausfallen, was für die Dividendenrendite nicht möglich ist. Für Allianz, Telefonica und General Electric ist der Anteil der Dividendenrendite am Wertzuwachs daher größer als 100%; bei Vodafone liegt selbst inklusive Dividende kein Wertzuwachs vor, weil der Gewinn des Unternehmens schneller geschrumpft ist, als die Dividende dies kompensieren könnte (wobei dies an einer unzureichenden Bereinigung des EPS nach dem Verkauf der Beteiligung an Verizon Wireless mit anschließendem reverse split und Sonderdividende liegen mag).

    Der durchschnittliche Wertzuwachs der Titelauswahl liegt bei beachtlichen 10,19%. Dies lässt sich vermutlich nicht in die Zukunft fortschreiben (u. a. weil bei Unternehmen mit sehr hohem Gewinnwachstum irgendwann eine Abflachung desselben erfolgen wird, wie bei Technologie- und Pharmawerten im vergangenen Jahrzehnt geschehen), aber es erklärt, wieso die Performance der Aktienindizes allgemein in der Größenordnung von 7-9% pro Jahr geschätzt wird.

    Zu beachten ist bei den obigen Werten, dass die EPS-Daten in der jeweiligen Bilanzierungswährung erfasst wurden; dadurch sind Aktien, die in den im vergangenen Jahrzehnt deutlich aufgewerteten Schweizer Franken bilanzieren (Lindt&Sprüngli, Nestlé, Roche - nicht aber Novartis oder Syngenta!) im Vergleich zu Aktien, die ihre Gewinne in deutlich "weicheren" Euros berechnen, um ca. 1% p. a. benachteiligt.

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  • Wenn man nun eine solche Tabelle besitzt, dann kann man lustige Dinge damit veranstalten.

    Man kann beispielsweise die Menge der Titel aufteilen in Aktien mit mehr als 10,19% Wertzuwachs und Aktien mit weniger als 10,19% Wertzuwachs und für beide jeweils getrennte Tabellen erzeugen.

    Dabei stellt man fest, dass



    der Anteil der Dividenden am Wertzuwachs bei den "überdurchschnittlich guten" Aktien auf gerade mal ein Sechstel sinkt, während



    der Anteil der Dividenden bei den "unterdurchschnittlich guten" Aktien fast die Hälfte zum Wertzuwachs beisteuert.
  • Umgekehrt kann man die Titelmenge nach der Höhe der ausgeschütteten Dividendenrendite (mehr oder weniger als die durchschnittlichen 2,97%) aufteilen und erhält dann zwei Tabellen mit



    unterdurchschnittlichen Dividendenzahlern, die einen überdurchschnittlichen Wertzuwachs von 11,78% p. a. produzieren (der nur zu einem Sechstel aus den Dividenden stammt), und



    überdurchschnittlichen Dividendenzahlern, die einen unterdurchschnittlichen Wertzuwachs von 8,34% p.a. produzieren. Selbst bei letzteren erreichen die Dividenden aber innerhalb des Hamsterrad-Universums keinen Anteil von 50% am gesamten Wertzuwachs.

    Insbesondere gehören die fünf besten Dividendenzahler (Allianz, AT&T, Münchener Rück, Telefonica, Vodafone) allesamt zu der schlechteren Hälfte in Sachen Wertzuwachs, während die zehn besten Aktien in Sachen Wertzuwachs (Accenture, Alphabet, Blackrock, CVS Health, Fresenius, Mastercard, Monsanto, Mondelez, Novo Nordisk, Visa) allesamt zu den Aktien mit niedriger Dividendenausschüttung gehören.

    Ich habe vergleichbare Tabellen vor zwei Jahren mit mehr als 600 Aktien erstellt (Dow Jones, DAX 30, CAC40, SMI20, MDAX50, S&P100 etc.) und dabei insbesondere auch Zykliker erfasst; das Ergebnis war tendenziell dasselbe, wobei der Unterschied zwischen hohen und niedrigen Dividendenzahlern noch viel deutlicher war (weil unter den hohen Dividendenzahlern insbesondere Banken, Versicherungen, Rohstoffwerte, Chemiekonzerne und Stromerzeuger sind, deren Gewinn-Entwicklung im vergangenen Jahrzehnt generell unterdurchschnittlich ausfiel und die heute im Hamsterrad-Universum nicht mehr vertreten sind - das war zu Beginn dieses Projekts anders).
    Im Schnitt lag der Wertzuwachs der 300 Aktien mit den überdurchschnittlichen Dividendenrenditen sogar bei nahezu Null, weil darunter viele Unternehmen mit sinkenden Gewinnen zu finden waren.

    Für die Gesamtmenge dieser über 600 Aktien lag der Anteil der Dividende an der Wertentwicklung aber bei fast genau 50% - womit sich die pauschale Aussage über die Wichtigkeit der Dividenden für die Wertentwicklung von Aktiendepots erklärt: Für den Gesamtmarkt ist sie tatsächlich zutreffend.

    Aber der Sinn eines Aktienbewertungssystems ist ja gerade, etwas zu entdecken, was besser ist als der Gesamtmarkt:
    Hohe Dividendenrenditen sind also ein Kontraindikator für gut funktionierende Geschäftsmodelle.

    Und dies erscheint auch nur auf den ersten Blick paradox, denn ein Unternehmen, das wächst, hat für seine erwirtschafteten Gewinne eine bessere Verwendung, als diese an die Aktionäre auszuschütten.

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