Kennzahlen Diskussion

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  • Kennzahlen Diskussion

    Mich würde auch die Grafik interessieren, ich bekomme den gleichen Fehler.

    Ich habe anbei einen Verlauf der Hamsterrad-Bewertung ab 2015; Die Berechnung basiert auf den Bereinigungen von Alexxx und den aktuellen Schätzungen und Ergebnissen. Interessant wäre es natürlich, die Berechnugen für die Vergangenheit mit den zum jeweiligen Zeitpunkt aktuellen Schätzdaten durchzuführen; die habe ich aber nicht. Die Kurse sind in USD.

  • Potenziell ja, ich nehme an, die hellgrüne Linie ist die Schätzung für 2016, die dunkelgrüne für 2017.

    Allerdings bräuchte man für ausagekräftige Werte vor dem Oktober letzten Jahres - dem neuen Geschäftsjahr - die historischen Schätzungen für 2015.

    Ich probier es trotzdem mal für die Werte. Mal schauen, ob man einen Unterschied sehen kann...
  • Ok, es hat ein bisschen gedauert, vor allem weil ich mir erst mal klar werden musste, was ich eigentlich genau rechnen wollte.


    Man kann ja mit historischen Daten rechnen, um
    1. Besser zu verstehen, wie die Hamsterrad Bewertung funktioniert,
    2. Prüfen, ob die historische Hamsterrad-Bewertung mit den späteren Kursen bzw. der Performance korreliert,
    3. Wenn für alle Aktien im Excel-Sheet durchführt, prüfen, ob die relative Bewertung der jeweiligen Aktien als Grundlage für Kaufempfehlungen mit der Aktienperformance korreliert.
    Zu 2) und 3). Ich glaube 2) und 3) zu prüfen macht nur mit historischen Daten für einen Zeitraum mehrerer Jahre Sinn. Der Anlagehorizont vom System ist ja mindestens 5 Jahre oder so, stimmt das? Sonst würde man ja nicht von vorneherein stabile und eher konservative Aktien bevorzugen. D.h., wie sich das Papier jetzt nach einem Jahr entwickelt hat, spielt eigentlich kaum eine Rolle – solange es nicht gnadenlos eingebrochen ist. Für eine Aussagekräftige Bewertung des Hamsterrad-Systems bräuchte man Daten, die entsprechend lange in der Vergangenheit liegen.

    Zu diesen historischen Daten würden alle gehören, die man auch jetzt in das Sheet eingibt. Schwierig bis unmöglich zu besorgen dürften die historischen Schätzwerte sein. Aufwändig und mglw. sehr schwer dürfte die Bereinigung von Unternehmensdaten für so lange Zeiträume in der Vergangenheit sein. Hier müsste man bei 5 Jahren Prüfzeitraum bis ins Jahr 2000 zurückgehen.


    Zu 2). Ich bin mir nicht sicher, ob das Sinn macht; wenn ich es richtig verstehe, haben die Absolutwerte keine so hohe Aussagekraft. Versucht das Hamsterrad-System nicht Aktien zu finden, die im Moment im Vergleich zu anderen Aktien relativ günstig sind?


    Zu 1). Das habe ich gemacht. Ich habe die Werte oben von Alexxx genommen, sowie die historischen Schätzwerte für EPS von 4traders für 2016 und 2017. Damit habe ich ab 2015 für jeden Tag die Hamsterrad-Bewertung mit dem jeweiligen Tagesschlusskurs berechnet. Ich bin davon ausgegangen, dass die Schätzwerte jeweils zum ersten des Monats aktualisiert wurden; vermutlich spielt das genaue Datum keine so große Rolle.

    Zum Vergleich habe ich einen zweiten Chart gerechnet, der nicht auf die historischen Schätzwerte zurückgreift, sondern für jeden Tag der Vergangenheit die jetzt aktuellen verwendet. Hier variieren also nur der Tagesschlusskurs und der Tag im Jahr.

    Im Hintergrund sind die jeweiligen Monatskurse in USD aufgetragen.

    Walt Disney - mit historischen EPS Schätzwerten


    WaltDisney - nur aktuelle Schätzwerte



    Man sieht zunächst, dass es vor Oktober 2015 kaum Unterschiede gibt. Dies liegt daran, dass wir für 2015 keine historischen Schätzwerte haben, und die Schätzwerte für 2016 fließen nur mit geringem Gewicht ein. Ab Oktober 2015 gibt es größere Einflüsse. Man findet Unterschiede in der der Bewertung von bis zu 15 Punkten, insbesondere für die höheren Bewertungen. Mit den historischen Schätzwerten wurde die Aktie durchgängig etwas schlechter bewertet.


    Die Berechnung hat einige Schwächen. Historische Schätzwerte hatte ich nur für EPS, für Buchwert oder Dividende hatte ich keine. Vor Oktober 2015 hatte ich auch keine historischen Schätzwerte für EPS. Hier habe ich konstant mit dem von Alexxx geliefertem Wert gerechnet. (Ich glaube es gibt noch mehr Schwächen, aber gerade fallen mir keine mehr ein…)
  • Peter888 schrieb:

    Versucht das Hamsterrad-System nicht Aktien zu finden, die im Moment im Vergleich zu anderen Aktien relativ günstig sind?
    Auch, aber nicht vorrangig.

    Das System berechnet 20 Kennzahlen, bewertet diese jeweils mit Noten von 1-10 und multipliziert dann ein Gewicht von 0.5-6 (Summe: 30, Durchschnitt 1.5) auf jede dieser Kennzahlen - aus der Summe dieser Komponenten entsteht eine Gesamtpunktzahl zwischen 30 und 300.

    Von diesen 20 Kennzahlen hängen gerade mal vier vom aktuellen Kurs der Aktie ab: Die KGV-Quote (Gewicht 6 - das ist die "schwerste" einzelne Komponente mit 20% Gewicht) sowie drei Kennzahlen aus dem Bereich der Dividendenrendite (Gewicht zusammen 4.5). Der Einfluss des aktuellen Kurses bezieht sich also auf 10.5 / 30 = 35% der Punktzahl. Das ist die "Timing-Komponente" des Systems.

    Beispiel zur Veranschaulichung:
    • Mit ihrem aktuellen Kurs hat von $27 die Cisco-Aktie eine Hamsterrad-Bewertung von 237 Punkten.
    • Würde man den Kurs der Aktie manuell auf $100 (!!!) setzen, dann würde die Bewertung auf 149 Punkte sinken. (Insbesondere würde die Komponente "KGV Abweichung" vom Maximum 60 auf das Minimum 6 sinken und die "Abweichung KGV nach Einbruch" vom Maximum 25 auf das Minimum 2.5, was zusammen 54 + 22.5 = 76.5 Punkte kostet. Bei der Dividendenrendite gehen weitere 11.5 Punkte verloren.)
    • Die Differenz zwischen beiden Zahlen ist ungefähr das Maximum dessen, was die Timing-Komponente bewirken kann, denn momentan steht Cisco am unteren Ende desjenigen Intervalls, welches vom Hamsterrad-Sheet noch als "unterschiedlich" erkannt wird (bei noch niedrigerem Kurs würde die Punktzahl nicht mehr steigen). Die 149 Punkte stammen fast komplett aus den Fundamentaldaten, sind also gegen Kursbewegungen "immun". (Gegen Gewinnwarnungen und daraus resultierende Senkungen der Analystenschätzungen jedoch nicht!)
    Zwei Drittel der Bewertung bezieht sich ausschließlich auf langfristige fundamentale Eigenschaften der Aktie, im Wesentlichen "Wachstum" und "Stetigkeit" in verschiedenen Kategorien (EPS, Dividende, Buchwert, 1/Aktienzahl). Die Summe dieser Eigenschaften ist also etwa doppelt so wichtig wie der aktuelle Kurs.

    Dieser relative Anteil der "Timing-Komponente" ist auf dem "Stammdaten"-Blatt konfigurierbar. Die vorgegebene Konfiguration wurde von ihrem Autor so eingestellt, dass sie für sein Depot funktionieren soll, in dem er grundsätzlich keine Verkäufe plant.
    Für andere Investment-Stile erlaubt das Spreadsheet, diese Timing-Komponente stärker oder schwächer in die Punktzahl einfließen zu lassen.

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  • Ok, ich glaube so langsam beginne ich zu blicken, was warum gerechnet wird. Ich frage mich aber warum genau diese Kennzahlen ausgewählt sind. Es gäbe ja vielleicht auch noch andere relevante Kennzahlen. Ohne dass ich mich jetzt wirklich auskenne, könnte man ja auch an KCV denken, oder Return of Investment oder so.

    KCV z.B. soll ja nicht so anfällig für Bilanzspielereien sein.

    Verizon Communications z.B. scheint ja nach KGV relativ günstig zu sein; nach KUV, KCV oder KBV würde man dass vielleicht anders bewerten...?



    Bei Walt Disney hingegen gehen alle vier Indikatoren gleichsinnig:
  • Peter888 schrieb:

    KCV z.B. soll ja nicht so anfällig für Bilanzspielereien sein.

    Verizon Communications z.B. scheint ja nach KGV relativ günstig zu sein; nach KUV, KCV oder KBV würde man dass vielleicht anders bewerten...?
    Das KCV nützt uns nichts, weil es dafür keine Analystenschätzungen für die Zukunft gibt. (Außerdem ist "nicht so anfällig" eben doch auch "anfällig" - ganz ohne Bereinigung wäre das eine Verschlechterung gegenüber dem aktuellen Zustand.) Für das KGV gibt es solche, also müssen wir uns die Arbeit machen.

    Das KUV sagt nichts darüber aus, ob ein Unternehmen Gewinne oder Verluste macht. Es würde also schlecht funktionierende Geschäftsmodelle automatisch als "billig" einstufen, obwohl der Kurs in Ermangelung von Gewinnen völlig zu Recht abgestraft wurde. (Das wäre etwa so aussagekräftig wie die Dividendenrendite am Tag vor der Dividendenkürzung.)

    Das KBV ist für viele defensive Geschäftsmodelle irrelevant und insbesondere gar nicht feststellbar, wenn ein Unternehmen keinen oder sogar einen negativen Buchwert aufweist (Colgate-Palmolive, Kimberly-Clark, Moody's, Philip Morris International, demnächst vielleicht McDonald's).

    Das KGV ist für Unternehmen mit schwankungsarmen Gewinnen (und nur für solche!) die einzige Kenngröße, die alle unsere Anforderungen erfüllt.
    Für Zykliker mit stark schwankenden Gewinnen wiederum ist das KGV unbrauchbar (weil der Gewinn auch Null oder negativ werden kann) - hier ist das KBV aussagekräftiger (denn das wird nur dann Null oder negativ, wenn das Unternehmen überschuldet oder aber der Buchwert irrelevant ist).
    Im Hamsterrad-Sheet kann man pro Titel einstellen, welche dieser beiden Kennzahlen man verwenden will.

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  • Bereinigung schrieb:

    Zwei Drittel der Bewertung bezieht sich ausschließlich auf langfristige fundamentale Eigenschaften der Aktie, im Wesentlichen "Wachstum" und "Stetigkeit" in verschiedenen Kategorien (EPS, Dividende, Buchwert, 1/Aktienzahl). Die Summe dieser Eigenschaften ist also etwa doppelt so wichtig wie der aktuelle Kurs.


    Tatsächlich ist der Einfluss der Timing-Komponente nicht ein Drittel, sondern liegt bei fast allen Titeln des Hamsterrad-Universums bei ziemlich genau 100 Punkten. Das macht bei "sehr guten" Aktien etwa 40% der maximal möglichen Punktzahl aus (die ja nie bei vollen 300 Punkten liegen wird), bei "sehr schlechten" Aktien können es über 60% sein.

    Die obige Tabelle listet diejenigen Punktzahlen der 65 Hamsterrad-Aktien auf, die bei Kursen von 0,0000001 (Maximum) bzw. 99999999 (Minimum) erreicht würden. Sortiert ist sie nach dem Anteil möglicher Punktzahlen der jeweiligen Aktie, der oberhalb von 200 Punkten liegt, was ich für einen plausiblen Zeitpunkt für einen Kauf der Aktie halte (denn sie muss ja zu den besten drei Aktien dieser Menge zählen, deren Depotgewicht noch nicht die zulässige Obergrenze erreicht hat).

    Aktien, die solche Werte nie erreichen können, haben offensichtlich so schlechte Fundamentalwerte, dass man darüber nachdenken sollte, sie auch in der Watchlist durch bessere Aktien zu ersetzen. (Wobei allerdings gerade bei den sehr schlechten Durchschnittspunktzahlen die Möglichkeit besteht, dass diese durch eine bessere Bereinigung der Eingabedaten bzw. eine längere erfasste Historie etwa bei Kraft Heinz besser wird.)
    Die Intervalle sind zwar nicht unveränderlich, aber ihre Grenzen ändern sich nur sehr langsam: Die "worst case"-Eigenschaften einer Aktie ändern sich beispielsweise nur dann nach oben, wenn das betreffende schlechteste Jahr (üblicherweise 2008/09) aus dem Betrachtungszeitraum von derzeit 10 Jahren herausfällt. Nach unten kann sich das Intervall hingegen schnell ändern - dafür genügt ein einziger Gewinneinbruch bzw. eine Dividendenkürzung, die stärker ausfällt als alles, was bisher beobachtet wurde. Andererseits würde Alphabet seine Punktebasis durch die Ausschüttung einer Dividende schlagartig verbessern.

    Die Spalte "Position" beschreibt, ob die Aktie innerhalb ihres Punkte-Intervalls derzeit "historisch billig" (hohe relative Punktzahl / grün) bzw. "historisch teuer" (niedrige relative Punktzahl / rot) ist.
    Von den 65 hier betrachteten Aktien liegen 28 innerhalb der "teuren" 30% ihrer Bandbreite, aber nur 2 innerhalb der "billigen" 30% - dies zeigt den aktuellen Anlagenotstand.

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  • Ich finde die Untersuchung sehr spannend, es ist so ähnlich wie das, was ich hier gerechnet habe, nur ist die Frage besser. Ich kann dir nur nur zustimmen, das man die Titel am Ende Watchliste austauschen sollte. Du hast ja glaube ich hier die größte Übersicht über in Frage kommende Titel. Welche würdest du am ehesten rauswerfen? Aus deiner umfangreichen Liste, welche Titel würdest du zur Aufnahme vorschagen?


    Mir ist eine kleine methodische Schwäche in deiner Rechnung aufgefallen. Mein Ausgangspunkt war die Frage, warum z.B.bei Alphabet der Kurs nur 70 Punkte ausmacht, bei den anderen Werten aber um die 100.

    Ich habe daher exemplarisch Bayer und Alphabet nachgerechnet. Bei Bayer ist es so, dass die Kursunterschiede sowohl bei KGV Fair, und KGV Abweichung volldurchschlagen, was zu 60+25 - (6+2,5) ~ 77 Punkten Unterschied führt. Zusätzlich schlägt sich der Kurs auch in den Dividendenrenditenpunkten nieder, was zu einer Schwankung von weiteren ca. 20 Punkten führt. Wenn man wie hier vorgeschlagen darauf verzichtet, die Schätzungen in die Mittelwertbildung mit einzubeziehen, wird nur die durchschnittliche DR nicht mehr beeinflusst, DR+360d und deren Abweichung schwanken weiterhin.

    Bayer


    Bei Alphabet ist es so, dass durch die fehlende Dividendenrendite der Kurs keine Auswirkungen auf diese Felder hat, also nur die KGV-Bewertungen schwanken.

    Alphabet



    Wenn man die Geschäftsmodelle der Unternehmen vergleichen möchte, ist es unbefriedigend, wenn die Dividendenrendite bei der Betrachtung außen vor bleibt. Ich habe das jetzt noch nicht zu Ende durchdacht, aber ein Gedanke wäre, statt unrealistische Kursen den zum fairen KGV passenden zu verwenden. Hier Bayer nochmal als Beispiel bei einem fairen KGV von 16,6* EPS+360d (5,838) = 96,94.

    Bayer
  • Peter888 schrieb:


    Mir ist eine kleine methodische Schwäche in deiner Rechnung aufgefallen. Mein Ausgangspunkt war die Frage, warum z.B.bei Alphabet der Kurs nur 70 Punkte ausmacht, bei den anderen Werten aber um die 100.
    Mir sind die drei Titel mit deutlich weniger als 100 Punkten auch aufgefallen, und dass die Ursache dafür im Falle von Alphabet an der fehlenden Dividendenausschüttung liegt, ist leicht einsichtig.

    Bei den beiden anderen Aktien (Deutsche Post und Kraft Heinz) liegt dieser Fall jedoch nicht vor, und da mir spontan keine Erklärung dafür einfiel, bin ich auf diesen Aspekt im vorherigen Posting nicht eingegangen.
  • Nur der Vollständigkeit halber: Bei der Post und Kraft Heinz liegt es an den größten Ergebniseinbrüchen von über -100% (also Verlust gemacht haben). Offenbar bekommen die Aktien so keine Chance, Punkte in "Abweichung KGV / KBV+360d nach Einbruch vom Median" zu sammeln, egal wie tief ihr Kurs fällt. Dies liegt daran, das dass KGV nach Einbruch negativ werden würde, und auf 99 fixiert wird.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Peter888 ()